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Dienstag, 01. November 2011 um 16:48 Uhr

Ein Stilwechsel muss keinen Verlust der Identität bedeuten.

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Review | Kritik | Bewertung
Bombay Bicycle Club - A Different Kind Of Fix (2011)

A Different Kind of Fix - Bombay Bicycle ClubBewertung: 6 von 6
Label: Universal
www.bombaybicycleclubmusic.com

“Heutzutage werden die Bands doch schon nach ihrem ersten Album in eine Schublade gepackt. Das war vor vierzig Jahren noch nicht so. Bei uns ist es nun mal so, dass wir permanent auf der Suche nach demjenigen Sound sind, den wir machen wollen.“ Das sind weise Worte des noch recht jungen Gitarristen einer der kultigsten Bands unserer Zeit: des Bombay Bicycle Clubs. Gegründet im Jahr 2006 von Frontmann Jack Steadman, dem Gitarrenvirtuosen Jamie MacColl, Bassisten Ed Nash und Schlagzeuger Suren de Saram (damals alle noch minderjährig), schoss schon drei Jahre später ihre erste LP I Had The Blues But I Shook Them Loose regelrecht von der Schulbank in die britischen Top10.


Doch die Jungs aus England wollten der begeisterten aber schnelllebigen Musikwelt nicht den Gefallen tun, in der Schublade der One-Hit-Wonders zu versinken. So lieferten sie statt der üblichen Rise-and-Fall-Story einen unerwartet rasanten Durchmarsch an die Spitze des britischen Indipendentthrons und beschenkten schon ein Jahr später ihre Fans mit einem rekordverdächtigen Folk-lastigem Instrumentalwunderwerk names Flaws. Musikalisch eine Neuerfindung, doch das bahnbrechende Projekt zahlte sich aus und räumte dem nun um Jahr 2011 erschienenen dritten Studioalbum A Different Kind Of Fix alle Steine aus dem Weg. Was den Hörer hier erwartet, ist ein gefühlvoll konzipiertes, erwachsenes und sehr gelungenes Werk anspruchsvoller handgemachter Musik. „Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, wie manche Bands es schaffen, immer wieder ein und dasselbe Album aufzunehmen. Mit der Veröffentlichung von Flaws waren plötzlich alle Wege offen für uns. Seither können wir jede Art von Album aufnehmen und das machen, wonach uns der Sinn steht.“ Was Bandleader Jack ankündigt, wird beim Genießen des neuen Albums absolut verständlich. Ihr bislang bestes und reifstes Album wurde mit Hilfe von namhaften Produzenten eingespielt.

act-bombaybicycleclubTatkräftig zur Seite standen den Jungs von BBC nämlich Jim Abbiss (Arctic Monkeys) und Ben H. Allen (M.I.A.). Auf A Different Kind Of Fix wird greifbar, mit welcher Kreativität und Energie die Vier sich stets neu erfinden und neue Einflüsse in ihr Musikkonzept einarbeiten. Die Devise lautet: einfach mal drauf los machen, hat ja bisher glänzend funktioniert und das altbewährte kann jeder. So entstanden manche Songs erst während der Produktionsphase. Ein Manko? Keineswegs! Auch Take The Right One entstand alles andere ans konventionell, doch wieso sollte man den Song nicht mehrfach in verschiedenen Variationen einspielen und diese dann übereinander legen? Wenn man auf eindimensionale, flache Musik steht vielleicht, Fans der Komplexität, Vielschichtigkeit und eines Raum füllenden Klangs werden die Nummer auf jeden Fall lieben. Eine Art epische Umrahmung bilden der erste und letzte Track auf der Scheibe. How Can You Swallow So Much Sleep, seinerseits schon als Demoversion auf dem Twilight: Eclipse Soundtrack erschienen, kündigt fulminant an, was auf der LP noch folgen soll:. Indie-Drums und geile Riffs bei Bad Timin' und Your Eyes, elektronisch angehauchte Traumwelten bei Lights Out, Words Gone (meiner Meinung nach die Perle des Albums), tanzbar funkige Pianos und Beats bei Shuffle, gefühlvolle Balladen wie Fracture oder einfach unbeschreiblich schöne Nummern wie What You Want.

Still ist als letzte Nummer so etwas wie der leise Abschied vom Album, melancholisch traumhaft, reduziert auf die unheimlich gefühlvolle Stimme des Sängers und tief ins Herz gehende Klavierklänge. Wer nach dieser Nummer nicht sofort das ganze Album in der Endlosschleife hört, hat eindeutig die Message nicht verstanden: Das hier ist ein gewaltiges Werk junge Musik mit Anspruch, Klasse, Gefühl, Können und mit Gänsehautgarantie! Die Bombay Bicycle Club Boys sind erwachsen geworden, aber nicht altklug. Das Energische und Ungestüme haben sie nicht im Geringsten abgestreift, aber ein Meisterwerk vollendeter Musik geschaffen.



redakteur-lisa

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Lisa Kienle ist der Meinung...
Das dritte Album in drei Jahren – klingt komisch, is aber so. Die vier Jungs vom Bombay Bicycle Club haben das geschafft, wovon jede Band, die im Schuljungen-Alter bekannt geworden ist, träumt: mit jedem Album eine neue Richtung einzuschlagen, ohne dabei an Individualität, Kreativität oder Energie zu verlieren, sondern immer mehr zu sich selbst und zu unglaublich vollem Klang zu finden. Um Janosch zu zitieren: Das ist Kunst, das kann keiner. Eben bis auf die vier gerade mal volljährigen Herren. Die Platte ist ein MUSS!

 
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