Musik für eine reifere Generation von Frau.

Review | Kritik | Bewertung Jasmin Tabatabai - Eine Frau (2011)
Bewertung: 2 von 6 Label: Edel www.jasmin-tabatabai.com
Jasmin Tabatabai bringt uns ein Album auf den Markt, das in kein Raster, keine Kategorie und keine Zeit passt: Eine Frau wirkt wie eine jazzige Hommage an die Frauen in der heutigen Zeit: stark, unvergleichlich, irgendwie frech und einzigartig, im Abgang allerdings schwer verdaulich. Jasmin Tabatabai, eine Frau, die schwer in Worte zu fassen ist. Beeindruckend lang und vielseitig ist die bisherige Karriere und das Wirken der mittlerweile über 40-Jährigen.
Als Tochter eines Iraners und einer Deutschen, deren Verbindung auf dem Oktoberfest seine Wurzeln hat, beeinflusst die Wahl-Berlinerin wie keine andere das Musikgeschehen und die Filmszene Deutschlands. Und das Wichtigste dabei: sie lässt sich in keine Rollen drängen, folgt keinen Konventionen. Sie ist einfach: Eine Frau. Genau darüber singt sie nun in 11 Tracks auf dem zusammen mit David Klein produzierten Album mit einer kessen und oft auch der heutigen Musikgeneration womöglich befremdlich vorkommenden Art. Die Macher nennen es jedenfalls Jazz, in den dazu gehörigen Genre-Charts stieg das Album bereits erfolgreich ein. Mit böser Zunge müsste man allerdings vorneweg festhalten, dass Jasmin Tabatabai auf dem Album weniger singt. Mehr bietet sie uns Sprechgesang, vom Flüstern, übers Sprechen hinein bis ins Unbeschreibliche.
Beim Titel Herbstgewitter über den Dächern erinnert die Umsetzung gar an eine Mutter, die gerade ihr Kind in den Schlaf wiegen möchte. Ihre Stimme für sich allein klingt warm, ja schmeichelt dem Zuhörer direkt in der Seele, das muss man ihr lassen. In den 80er Jahren machte Jasmin Tabatabai ihr Abitur, um anschließend an der Hochschule für Musik und Kunst in Stuttgart die Studienfächer Musik und Schauspiel zu belegen. Die mittlerweile zweifache Mutter war bereits politisch aktiv, hatte 1997 ihren schauspielerischen Durchbruch mit Bandits und hat neben dem Singen auch eigene Songs komponiert. Ihre Filmografie liest sich bis dato wie eine unaufhörlich scheinende Liste. Wenn Jasmin Tabatabai eines ist, dann ist es vielseitig, aktiv und erfolgreich. Aber zurück zu Eine Frau: leider muss ich sagen, dass mir dieses Album wie schwere Kost schmerzend im Magen liegt. Der Genuss fällt kurzfristig aus, um diesen dann einige Zeit lang büßen zu müssen. Die Erlösung dabei liegt im Kräuterlikör.
Ich denke, mit dessen Hilfe würde ich mich auch mit dem Album leichter tun. Aber dies ist und bleibt meine subjektive Meinung. Stellt sich nun die Frage, ob ich einfach nicht in die Zielgruppe gehöre? Liegt wahrscheinlich im Auge des Betrachters. Aber die Vermutung liegt nahe, dass die erhofften Zuhörerinnen nicht mehr in den jüngsten Jahren ihres erwachsenen Lebens stecken. Gehen wir davon aus, dass Frau Tabatabai die Generationen ab ihrem Alter erreichen möchte. Es wurden, laut Pressetext zum Album, keine Kosten und Mühen gescheut, sogar 45 Streicher eines A-Orchesters wurden für die Produktion ins Studio geholt. Ob es das wert war? Eine Frau wie ich weiß es nicht.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Andrea Thalhofer ist der Meinung... Jasmin Tabatabai zeigt mit ihrem zweiten Solo-Album Eine Frau, was neben einer Schauspielerin und Rock-Frontfrau sonst noch in ihr steckt. Wohl gemerkt: das Ergebnis ist anders, irgendwie schwierig zu verarbeiten. Aber wem Jazz und Außergewöhnliches gefällt, der wird es lieben. Allen anderen sei gesagt: Hut ab vor einer Dame, die sich traut, ein derartiges Soloprojekt umzusetzen. Für meinen Geschmack nicht ganz das Wahre, aber es gelte das Motto: Leben und leben lassen… auch: Eine Frau.
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