Electronic - House
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Music - Electronic - House
Sonntag, 06. November 2011 um 15:43 Uhr

Elektronische Einladungen, die man gerne ablehnt.

cd-muttersoehnchen

Review | Kritik | Bewertung
Muttersöhnchen - 1 (2011)

Muttersöhnchen 1 - MuttersöhnchenBewertung: 0,5 von 6
Label: Horst Records
www.muttersoehnchen.net

Der letzte Platz beim diesjährigen Bundesvision Song Contest war die Quittung für ein in meinen Augen relativ talentfreies Bandprojekt namens Muttersöhnchen. Immerhin wurde man von Medienprofi Stefan Raab eingeladen und durfte das Bundesland Hamburg repräsentieren. Nun ist es aber leider so, dass sich eine in der Musikszene sowieso schon viel diskutierte ehemalige HipHop-Formation wie Deichkind schon vor Jahren für den waghalsigen Schritt hin zu experimentellen Elektrosounds mit deutschsprachigen Texten entschlossen und das Genre der minderbemittelten Ballermann Partymucke ebenso bestens von den Atzen bedient wird.


Da klingt die Single Essen geh'n zwar im ersten Moment noch relativ amüsant, bei längerer Betrachtung aber doch einmal mehr nach plagiierender Durchschnittsware. Spätestens beim „Sonntag Spätvormittag“ und der dazugehörigen Katerstimmung dürfte der alkoholisierte Sympathiebonus des Vorabends verflogen sein und die bittere Realität hat einen wieder fest im Griff. Jene bittere Realität, der sich die beiden Herren Harry Bum Tschak und MK TopGenie mit ihrem Debütalbum 1 – mit gerade einmal sieben Tracks (den Radio Edit der Singleauskopplung bewusst nicht mitgerechnet) ausgestattet – stellen müssen.

act-muttersoehnchenGewinnen lässt sich trotz hoher Ansprüche damit nicht einmal ein Blumentopf, weshalb ich im Sorgenfall Muttersöhnchen zur allgemeinen Beruhigung hoffe, dass sich die Protagonisten selbst nicht besonders ernst nehmen und somit die ein oder andere böse Kritik der Presse verkraften können. „Eins, zwei, drei / jetzt ist Party allright / hier sind die Jungs mit dem Bums / ihr habt lang drauf gewartet...“ Mal ganz abgesehen von Kopfschüttelnder Entgeisterung, die eine solche Waldorflyrik bei mir auszulösen vermag, bekommt der Zuschauer als Risiken und Nebenwirkungen der wilden Live-Performance von Muttersöhnchen vermutlich das übliche Repertoire von spöttischem Lachanfall über leichten Brechreiz hin zu gefühltem Augenkrebs. Der Beat von Elektro wäre wenigstens druckvoll bis zu einem gewissen Schwachpunkt und zwar dem einschläfernden Sprechgesang von Harry Bum Tschak. „Mein Herz schlägt digital...“ - meines ohne dahinter vermuteten Drogengenuss offensichtlich nur monoton, was aber ganz in Ordnung ist, wie ich finde.

„Es klingt wie schlechter Kitsch, ich weiß, aber ich steh' dazu.“ Muttersöhnchen treten mit jedem einzelnen Anspielpunkt auf 1 stil(un)sicher Mittenrein in das nächste Fettnäpfchen und treffen damit nicht unbedingt den Zahn der Zeit, sondern irgendwann gehörig den Nerv des Rezensenten, der sich keine Sekunde länger die Beziehungstipps (Boys & Girls) und sonstige Freizeiteskapaden zweier auf dem geistigen Niveau von Kleinkindern agierender „Künstler“ anhören möchte.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Wenn dieses lyrische Klangwunder mit dem suggerierten Intelligenzquotienten einer Gentomate tatsächlich ernst gemeint sein soll, dann wäre es ganz schön fatal, was die Bandformation Muttersöhnchen im Hauseigenen Maggie Koch Studio so produziert hat. Da ich mir aber beinahe sicher bin, dass es sich hier um zwei clevere Herren handelt, die uns mit kritischem Fingerzeig den Verfall der Musikbranche aufzeigen wollen, bin ich beinahe gespannt auf weitere Projekte.

 
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