Von Nazis, Astrologie und Stalins Badezimmer.

Review | Kritik | Bewertung Hotel Lux (2011)
Bewertung: 3,5 von 6 Studio: Constantin Film www.hotel-lux-film.de
Hört man den Namen Michael „Bully” Herbig, hat wohl jeder sofort das gleiche Bild vor Augen, zählen doch seine Filme Der Schuh des Manitu und Traumschiff Surprise längst zur deutschen Filmgeschichte. Hört man dagegen den Namen „Bully” in Verbindung mit dem zweiten Weltkrieg und Kommunismus, braucht man schon sehr viel Vorstellungskraft, einen gewissen Bogen über diese Begriffe zu spannen. In welcher Form es dennoch funktionieren kann, zeigt Leander Haußmanns neuer Film Hotel Lux.
Dass es das Hotel Lux in Moskau wirklich gegeben hat, wussten die meisten Darsteller vor Drehbeginn selbst nicht und zugegebenermaßen klingt das Konzept dieser Institution auch eher so, als ob es vom Drehbuchautor frei erfunden worden wäre... Da gab es also ein Hotel, in dem sich Exilanten und Flüchtlinge vor dem dritten Reich versammelten, das man nicht ohne einen entsprechenden Passierschein betreten konnte und in dem sowieso niemand unter richtigem Namen anreist. Wie es der Zufall so will, treffen sich hier Menschen wie Walter Ulbricht, Herbert Wehner und Wilhelm Pieck, die alle eine nicht unbedeutende Rolle in der späteren deutschen Politik spielten.
Eigentlich liegt es nahe, diese historische Vorlage in einen Kinofilm zu verwandeln. Und so beginnt die Geschichte mit Hans Zeisig (Michael „Bully“ Herbig) und Siegfried Meyer (Jürgen Vogel), die im Berliner Varieté als Hitler- und Stalinparodisten auftreten. Aus nachvollziehbaren Gründen muss Zeisig zu gegebener Zeit aus Nazideutschland fliehen, und da die amerikanischen Pässe gerade ausgegangen sind, heißt das Reiseziel anstatt wie gewünscht Hollywood eben Moskau. Kaum im Hotel Lux angekommen, gehen die Probleme für Zeisig weiter. Der sowjetische Geheimdienst hält den Schauspieler für Hitlers ehemaligen Astrologen und bringt ihn prompt zu Stalin höchstpersönlich. Nun heißt es improvisieren; solange Zeisig sich gut in seine Rolle einfindet und brauchbare Ratschläge gibt, ist seine Sicherheit gewährleistet.
So beginnt er, meistens in Stalins Badezimmer, aus Tarotkarten und Sternenkonstellationen den Verlauf der Politik zu beeinflussen. Was die prekäre Situation noch komplizierter macht, ist natürlich die Liebe in Gestalt der niederländischen Kommunistin Frida van Oorten (Thekla Reuten), der Zeisig erst in Berlin, dann in Moskau über den Weg läuft. Als sie als “falsche Kommunistin” angeklagt wird, Siegfried Meyer zurück nach Deutschland gebracht werden soll und Zeisigs Tarnung entgültig auffiegt, bleibt den dreien nur noch ein Ausweg: Die Flucht aus Moskau. Und die geht abenteurlich über den Dächern der Stadt vor sich...
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Irmi Schäffl ist der Meinung... Gemäß dem doch sehr ernsten Stoff ist Hotel Lux kein Klamauk, sondern eine Tragikkomödie, in der die Komödie jedoch ein bisschen zu kurz kommt. Man merkt deutlich, dass Michael Herbig nur Darsteller war und nicht selbst Regie geführt hat, denn gerade sein unglaubliches Talent fürs Timimg fehlt in vielen Szenen. So ringen die meisten Gags den Zuschauern eher ein Lächeln ab als wirklich zu unterhalten. Als Konsequenz bleiben auch die Schauspieler unter ihrem Können, was bei dieser Besetzung (vor allem bei den Herren Herbig und Vogel stimmt die Chemie) eigentlich nicht passieren sollte. All das macht Hotel Lux nicht zu dem sehenswertesten Film des Jahres – aber für einen netten Kinoabend sorgt er allemal.
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