Wenn Gedanken zu gefährlichen Orten führen...

Review | Kritik | Bewertung My Glorious - Inside My Head Is A Scary Place (2011)
Bewertung: 5 von 6 Label: G-Records (Rough Trade) www.myglorious.com
Ein solch aussagekräftiger Albumtitel wie Inside My Head Is A Scary Place weckt allerhand Spekulationen ob des konkreten Inhalts und mit Sicherheit mein persönliches Interesse. Wenn dann auch noch das dazugehörige Cover mit ausgefallenem Artwork glänzt, führt eigentlich kein Weg an der Indie Rock Band My Glorious vorbei. Und als würde es nicht reichen, dass die Zusammenarbeit des britischen Sängers Sami Goodenough (Gitarre), den österreichischen Zwillingen Gregor und Paul Sailer (Bass, Schlagzeug) sowie der amerikanischen Starproduzenten Sylvia Massy (Red Hot Chili Peppers, REM, Johnny Cash) von internationalem Format ist, strukturierte man vergleichsweise finanziell unabhängige Vertriebswege mittels einer Aktiengesellschaft.
Hier liegt das eigene musikalische Grundverständnis quasi in der Dienstleistung an sich. Spannend und ungewöhnlich zugleich, aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen, schließlich sind wir ein Musik- und kein Wirtschaftsmagazin. Da erscheint es schon wesentlich interessanter, dass man für das letzte Werk Home Is Where The Heart Breaks nicht nur lobende Worte, sondern sogar den International Independent Award (IMA) in der Kategorie „Best Concept Album“ einheimsen konnte. Bedeutend, in jedem Fall.
Im Oktober diesen Jahres nun das neue Album für den deutschsprachigen Raum, in den USA soll Inside My Head Is A Scary Place erst im Frühjahr 2012 veröffentlicht werden. Alternativ angehauchte Freidenker werden gleich zu Beginn der Platte mit beschwingter Leichtigkeit über geistige Minenfelder wandeln und sind dennoch relativ schutzlos den überwiegend melancholischen Gefühlsausbrüchen des Sängers Sami Goodenough ausgeliefert (Flower, It's Only Love). Fast schon depressiv könnte man im weiteren Verlauf des Programms werden, wenn Suizidgedanken aufgrund eigener empfundener Unzulänglichkeit thematisiert werden (I Held A Gun). Langsam aber sicher wird der Kopf der Band aber wirklich beängstigend... My Glorious verstehen es stets, eine fesselnde Spannungskurve innerhalb ihrer Songs aufzubauen und bewegen sich relativ stilsicher in ihrem selbst geschaffenen Terrain.
Das Konzept, der spürbare rote Faden zeichnet auch dieses Album wieder einmal auf beeindruckende Weise aus und im Hochgefühl seelischer Ausbrüche, laufen einem gelegentliche Schauer über den Rücken, wie etwa im Refrain von When I Call Your Name. An manchen Stellen auf Inside My Head Is A Scary Place können My Glorious es auch nicht vermeiden, abseits ihrer transparenten inneren Befindlichkeiten das ein oder andere sozialkritische oder gar politische Statement mit einfließen zu lassen (God Made Man Then Man Made God, The World Is Telling Me), was ihnen aber absolut zusteht und vom Hörer auch ausnahmslos zustimmend angenommen wird.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Insgesamt ein kleines Abenteuer, eine spannende Reise und stets die Gefahr, zu tief in den emotionalen Klangwelten von My Glorious einzutauchen. Einen Rettungsanker gibt es nicht und die Musik auf dem Album Inside My Head Is A Scary Place ist exakt das, was der mehr oder minder beeinflussbare Hörer daraus macht, in jedem Fall aber ausgezeichnetes Kopfkino für jene mit ähnlichem Musikgeschmack wie meine Wenigkeit. Reinhören lohnt sich ohne Zweifel.
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