Gemeinsam nur von der bitteren Realität zu stoppen.

Review | Kritik | Bewertung Seconds Apart (2011)
Bewertung: 4 von 6 Studio: Universum Film www.universumfilm.de
Lediglich wenige Sekunden trennen die Zwillinge Seth (Gary Entin) und Jonah Trimble (Edmund Entin)... alleine fühlen sie sich machtlos, als geistige Einheit jedoch kontrollieren sie dank telekinetischer Fähigkeiten ihr soziales Umfeld und letzten Endes auch ihre eigenen emotionalen Befindlichkeiten. Es ist das Gefühl der Angst, welches ihnen abhanden geht. Alltägliche Ängste, die Teenager in ihrem Alter eigentlich empfinden müssten, aber auch deren existenzielleste Ausprägung, die Furcht vor dem Tod verspüren die beiden partout nicht, was sie zu grausamen Experimenten am lebenden Objekt verleitet.
Die horrible Psychomaschinerie von Seconds Apart läuft bereits nach den ersten Filmminuten auf Hochtouren, wenn sich eine illustre Runde beliebter College-Footballer spontan von einem pubertären Trinkspielchen zu einer Runde russischem Roulette mit geladener Waffe umentscheidet. Nur, wo das Glück normalerweise über Leben oder Tod entscheidet, endet der Nervenkitzel hier nicht mit dem ersten Schuss, das Spiel wird munter bis zum vollendeten Gruppensuizid fortgeführt. Stille Zeugen der Ereignisse sind Seth und Jonah, die das blutige Treiben anteils- und genauso gefühllos mit ihrer Videokamera dokumentieren. „Spürst Du etwas?“ - „Nein, Du etwa?“ - „Nein, fahren wir also fort.“ Die toten Sportler sind und bleiben nicht die einzigen Opfer des bizarren Filmprojektes, bei dem die Zwillinge ihre Mitschüler einer religiösen Eliteschule geistig manipulieren und gegen deren Willen demütigend selbstzerstörerische Taten vollziehen lassen.
Der im (Selbst-)Mordfall ermittelnde Detective Lampkin (Orlando Jones) ist den Psychokillern der übersinnlichen Sorte aufgrund eines Tipps sofort auf der Spur und verhört die beiden Außenseiter getrennt voneinander zu den mysteriösen Vorkommnissen auf- und abseits des Schulgeländes. Beweisen lässt sich die genetische Manipulation jedoch nur sehr schwer und Lampkin, der nach dem kürzlich tragischen Verlust seiner geliebten Frau in schwachen Momenten traumatisiert wird, kommt erst im weiteren Verlauf seiner Indiziensuche auf paranormale Zwillingsforschung als Lösungsansatz seiner polizeilichen Ermittlungen. Das eingeschworene Duo, das sich in seiner Lebensweise im Laufe ihres Heranwachsens von Kindestagen an immer weiter symbiotisiete, beginnt sich ein Stück weit voneinander zu entfernen, als Jonah eigene Interessen entwickelt und romantische Gefühle für die rebellische Schönheit Eve (Samantha Droke) hegt. Seth reagiert eifersüchtig auf die jugendliche Liebschaft und setzt alles daran selbige zu zerstören, was Seconds Apart unweigerlich zu einem spannenden Finale führt und damit an einem Punkt, an dem alle Illusionen sich der bitteren Wahrheit beugen müssen.
Unter den bisherigen Veröffentlichungen der After Dark Originals Horrorfilmreihe kann Seconds Apart in der Tat als bestes Werk herausgehoben werden, was aber mitunter auch an den genrespezifischen Gegebenheiten des Psycho-Horrors liegen könnte. Im Gegensatz zu etwaigen Menschenfressern oder mordenden Vogelscheuchen wirkt das psychosoziale Spektrum geistiger Beeinflussung schon alleine deshalb auf den Zuschauer bedrohlicher, weil hier durchaus denkbare Szenarien thematisiert werden. Regisseur Antonio Negret muss dank der Entin Twins gar nicht so sehr auf brutale Schockmomente setzen, seine Gruselmethoden laufen subtil im Hintergrund mit, dennoch verzichtet er nicht auf ausdrucksstarke Bilder wärend seine Erzählweise.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Bei aller zerstörerischen Energie, die eine so tief greifende Beziehung wie die der Zwillingsbrüder Trimble freisetzen kann, ist es letzten Endes doch die menschliche Individualität, die von Regisseur Antonio Negret mit seinem Horrorstreifen Seconds Apart als wertvolles Gut fernab emotional niederschmetternder Abhängigkeiten vorherrscht. Was wären wir schon ohne unsere Empfindungen, ohne Furcht, ohne Verlustängste? Der Film regt ein Stück weit zum Nachdenken an und lässt zahlreiche Interpretationsspielräume offen, auch wenn das Ende ein klein wenig enttäuschend ausfällt.
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