Wenn sich Gesetzeshüter um sich selbst Sorgen machen müssen...

Review | Kritik | Bewertung Blitz (2011)
Bewertung: 4,5 von 6 Studio: Universum Film www.blitzmovie.co.uk
Detective Sergeant Tom Brant (Jason Statham) zählt zu jener Sorte Superbullen, in deren unmittelbarer Nähe man besser nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten sollte. Gleich zu Beginn des neuen Actionstreifens Blitz setzt es für eine Gruppe randalierender Jugendlicher eine gehörige Portion schlagkräftige Argumente, „warum man sich nicht mit dem falschen anlegen sollte, solange man nicht die richtigen Waffen dafür zur Hand hat“. Jason Statham ist wieder einmal voll und ganz in seinem Element und sein Filmcharakter scheint durch nichts und niemanden aufzuhalten zu sein.
Nicht einmal seine Vorgesetzten können Tom's ungestümes Gemüt zähmen, so ungern sie auch negative Schlagzeilen in der Boulevardpresse über ihr sowieso schon Image geschädigtes Polizeirevier inmitten eines problembelasteten Londoner Stadtbezirks lesen. Tom Brant ist ein bissiger Gesprächspartner und lässt sich nicht so ohne weiteres an den Büroschreibtisch verbannen. Sein Ruf eilt ihm meistens voraus, das Netzwerk an Informanten ist groß und der nötige Respekt auf der Straße ist ihm sicher. Dieser Respekt gegenüber der exekutiven Staatsgewalt im allgemeinen gerät jedoch stark ins Wanken durch eine skrupellos brutale Mordserie eines aufmerksamkeitssüchtigen Psychopathen, der sich selbst als „Blitz“ betitelt und zunächst noch relativ wahllos erscheinend Polizeibeamte umbringt. Ein wirkliches Motiv ist lange Zeit unklar, bis eine heiße Spur den ermittelnden Detective und seinen neuen Kollegen Porter Nash (Paddy Considine) direkt zum Hauptverdächtigen, einem gewissen Barry Weiss (Aiden Gillen) führt. Ein bis dato unscheinbarer Kleinkrimineller mit allerhand Bagatelldelikten, von magerer Statur, mit süffisantem Grinsen auf den Lippen und dennoch bedrohlichen Wahnsinn in den Augen.
Die schauspielerische Leistung von Aiden Gillen ist an dieser Stelle besonders herauszuheben, denn er verleiht der komischen Gestalt des Killers das nötige Profil eines verhassten Bösewichts. Angriffsfläche bietet eher hingegen keine, er ist für das ungleiche Polizeiduo Brant / Nash einfach nicht greifbar, weil gerissen und clever. Verräterische Spuren am Tatort hinterlässt er keine, seine Schuld ist einfach nicht zu beweisen, auch nicht als man einen Zusammenhang zwischen den Mordopfern und jenen Beamten herstellen kann, die Blitz früher bei Straftaten verhaftet und gedemütigt haben. Natürlich ist Polizeirüpel Tom Brant einer von ihnen und darf sich selbst auf der Abschussliste wähnen... Regisseur Elliott Lester kann beim Publikum meiner Meinung nach vor allem mit der finalen Auflösung der Geschichte punkten, auch wenn einem das unausweichliche Ende der Mordserie im Zuge wenig gesetzestreuer Selbstjustiz durch eine Schlüsselszene der gegenseitigen Sympathiebekundungen des ungleichen Buddy-Gespanns Statham / Considine bereits gegen Mitte des Films Blitz quasi verraten wird.
Die Handlung zwischendurch wagt es tatsächlich, so etwas wie Dualität der gesellschaftlichen Verantwortung für sich selbst und die Allgemeinheit zu skizzieren („Wenn wir uns selbst nicht schützen könen, was sind wir dann wert?“), was ich Elliott Leskers Handschrift unterstellen möchte, auch wenn sich der Großteil der Kritikerstimmen als Reaktion auf Blitz darauf einigen konnte, überschaubare Statham'sche Actionkost vorgesetzt bekommen zu haben. Interpretation ist meistens eine subjektive Angelegenheit, weshalb jeder gerne ein eigenes Urteil fällen darf. Wer bei derben Machosprüchen gerne schmunzelt, sich durchaus darüber im klaren ist, dass der bedrohliche Abgrund psychisch belasteter Einzelschicksale näher sein kann, als auf den ersten Blick erkennbar und auch der schonungslosesten Darstellung unserer teilweise pervertierten Gesellschaft noch etwas positives abgewinnen kann, ist mit Blitz unterhaltungstechnisch bestens versorgt.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Aufgrund der unbestreitbaren Tatsache, dass Blitz wie Kritikerstimmen so schön verlauten „Action mit angezogener Handbremse“ bietet, muss sich das Filmkonzept einmal mehr auf seinen mitwirkenden Charakteren stützen. Dank einem gewohnt markanten Jason Statham, seinem souverän zurückhaltenden Kollegen Paddy Considine und der wahnwitzigen Darstellung eines Psychokillers von Aiden Gillen funktioniert Blitz auch ohne wilde Schießereien und einer Vielzahl an krachenden Verfolgungsjagden. Die Spannung könnte gewiss höher ausfallen, aber dies bleibt eine schlichte Randbemerkung.
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