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Samstag, 26. November 2011 um 20:00 Uhr

Wohl dem, wer solche Freunde hat...

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Review | Kritik | Bewertung
Jools Holland - Jools Holland & Friends (2011)

Jools Holland & Friends - Jools Holland & His Rhythm & Blues OrchestraBewertung: 5 von 6
Label: Warner Music
www.joolsholland.com

Warum ist eigentlich Stefan Raab nicht auf diese Idee gekommen? Der britische Talkshowmoderator (Later... with Jools Holland) Julian „Jools“ Holland begeistert seit nun mittlerweile 30 Jahren regelmäßig ein Millionenpublikum mit seinen musikalischen Gästen ebenso wie dem eigenen Können als ehemaliges Gründungsmitglied der New Wave Band Squeeze und aktuelle Führungspersönlichkeit am Piano eines virtuosen R'n'B Orchestras. In der Vergangenheit arrangierte und musizierte er bereits gemeinsam mit solch erlesenen Musikgrößen wie Solomon Burke, Sting, Nick Cave oder Geoge Harrison und war eigentlich schon immer ein Verfechter der künstlerisch interessierten Vielseitigkeit.


Für sein neues Albumprojekt Jools Holland & Friends fokussierter sich der 53-jährige geistige Kosmopolit auf national wie international bekannte Acts aus dem deutschsprachigen Raum, an die er im Zuge seines musikalischen Aktionismus für Featureanfragen herantrat. Von Herbert Grönemeyer über Roger Cicero und Ina Müller bis hin zu den Berliner Jungs von The Baseballs ist beinahe alles dabei, was unsere heimische Branche an seriös gediegener Popkunst so hergeben kann. Hinzu gesellen sich auf diesem Album teilweise ältere Kollaborationen mit echten Weltstars wie etwa Melanie C, Tom Jones, Bono und den bereits erwähnten Herren der ersten Garde im Showgeschäft. Den Anfang macht das bereits vor 10 Jahren veröffentlichte Horse To The Water mit altklugen Lebensweisheiten eines George Harrison, bevor mich Herbert Grönemeyer im englischsprachigen Titel Marie endlich einmal davon überzeugen kann, dass seine Stimme nicht zwangsläufig so angestrengt klingen muss, als wäre es im abgelegenen Tonstudio mit der Doppelnull an der Tür entstanden.

act-joolshollandThe Informer mit Ruby Turner ist geradezu mitreißend und steckt mit seinem transportierten Gute-Laune-Patent noch jeden Musikmuffel an, wenigstens im Takt mitzuwippen. Der Beitrag der österreichischen Sängerin Valerie (Wohin die Liebe fällt) ist in bester Chanson Tradition vergleichsweise einschläfernd, wenn auch nicht zwangsläufig schlecht. Ähnlich zurückhaltend ist auch der aktuelle Track des ehemaligen Spice Girls Melanie C, die der Softrocknummer Out Of This World mit ihrer unvergleichlichen Stimme echtes Chartpotenzial verleiht. Interessant und charmant schmeichelnd wie immer performt Frauenschwarm Roger Cicero I Love Every Little Thing About You (im Original von Stevie Wonder) und beweist damit allerhand künstlerische Klasse. Es folgen wieder bekannte Nummern der Vergangenheit wie Mabel mit Solomon Burke und Eric Clapton, I Put A Spell On You mit Mica Paris und David Gilmour oder Think mit Tom Jones, allesamt mit herausragenden Künstlern am Mikrofon, doch insgeheim gibt Jools Holland am Piano den Ton an, was einem anfangs gar nicht so bewusst wird, sich aber mit fortschreitender Albumlänge nicht nur für das geschulte Kritikergehör immer deutlicher offenbart.

Aber auch I Went By mit Louise Marshall aus der direkten Feder von Jools Holland ist traumhaft arrangiert und Musikfans fortgeschrittenen Alters dürfen angesichts eines rasanten Beitrags wie Let The Boogie Woogie Roll noch nach dem Abklingen des letzten Tons sehnsüchtig in Erinnerungen an die eigene Jugend zurückdenken. Zum Abschluss dann noch der U2-Song If You Wear That Velvet Dress von 2002, der in purer Reinheit kaum ehrlicher ausfallen könnte. Ein weiteres Highlight auf einem mit solchen nicht gerade geizenden Gesamtwerk.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Ehrlich gesagt lag dieses Album ziemlich lange auf dem Stapel meiner noch zu bearbeitenden Reviewthemen und wurde zunächst relativ stiefmütterlich behandelt, besser gesagt sträflich missachtet. „Ein alter Mann und seine Freunde, nach was soll das schon klingen...“ war die anfangs skeptische Grundeinstellung, die ich schnell über Bord werfen konnte, als ich mir nicht nur der gesanglichen Qualitäten der Featuregäste, sondern eben auch der virtuosen Pianokünste und Gesamtarrangements eines Jools Holland erst richtig bewusst wurde. Für ein reiferes Zielpublikum, keine Frage, aber dazu darf man mich mittlerweile dann gerne auch zählen.

 
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