Wenig packende Survival Story mit einsamer Starbesetzung.

Review | Kritik | Bewertung Wrecked (2011)
Bewertung: 3 von 6 Studio: Universum Film www.universumfilm.de
Wer bereits Buried mit Ryan Reynolds gesehen hat und als Teil der zivilisierten Großstadtgesellschaft durchaus in der Lage ist sich vorzustellen, dass man getreu dem Blairwitch Project Vorbild mehr oder minder orientierungs- und hilflos der natürlichen Wildnis ausgesetzt ist, kann sich in etwa denken, welche Bilder einen beim Kinofilmdebüt des Regisseurs Michael Greenspan erwarten. In der Hauptrolle: der in Hollywood als vorzüglicher Charakterdarsteller respektierte Adrien Brody als identitätsloses Unfallopfer, das in Wrecked wie der Name so schön sagt, ebenfalls ganz schön angeschlagen und eingeklemmt in einem silbernen Chevrolet Autowrack Inmitten einer unbekannten Waldlandschaft wieder zu Bewusstsein kommt.
Wie er in diese missliche Lage geraten konnte und wer die anderen beiden toten Männer auf dem Rücksitz und in der Nähe des demolierten Fahrzeugs sind, daran kann er sich nicht erinnern. Die ersten Tage muss er zwangsläufig in seinem arg eingeschränkten Bewegungskreis verbringen, da er sich nicht selbst befreien kann und Adrien Brody transportiert das beklemmende Gefühl auswegloser Verzweiflung sehr geschickt und glaubwürdig. Als die ersten Wahnvorstellungen einsetzen und unserem Unbekannten eine junge Frau erscheint, die er in einer kurzen Rückblende glaubt, erschossen zu haben, scheint die Radiomeldung von drei entflohenen Bankräubern auf ihn und die beiden Leichen in und um das Fahrzeug zu passen. Im Beinbereich des Fahrersitzes findet er zudem eine geladene Pistole und als er es endlich mit viel Anstrengung aus dem Autowrack heraus schafft, bestätigen Taschen voller Geld im Kofferraum des Chevrolet die Vermutungen.
Lange Zeit, um über verschobene Moralvorstellungen nachzudenken, bleibt unserem vermeintlichen Verbrecher leider nicht, denn eine Wildkatze macht sich bereits über den ersten Leichenschmaus her und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er selbst auf der Speisekarte steht. Das gebrochene Bein wird kurzerhand geschient und notdürftig verbunden, richtig fortbewegen von der Unfallstelle lässt es sich mit dieser Verletzung allerdings nicht. So verfolgt der Zuschauer interessiert jene Szenen, in denen Adrien Brody angestrengt durch den Wald robbt, seinen Durst mit Fluss- und Regenwasser stillt, sich Nahrungsersatz in Regenwürmern und anderem Getier sucht und bei allen Widrigkeiten die Hoffnung nicht ganz verliert, dass er irgendwann auf eine Straße und damit ein Zeichen der Zivilisation trifft. Wie er das Ganze meistert, hat allerdings nur wenig heroische Survival-Züge, keine Rambo-Szenen, keine MacGyver Trickkiste, nur eine tragisch erbärmliche Figur im Kampf ums nackte Überleben, mehr nicht. Das filmische Konzept von Wrecked verliert dabei leider viel zu schnell seinen fesselnden Reiz. Anfangs möchte man gewiss mehr sehen, als den Hauptdarsteller alleine und hilflos über eventuell die gesamte Filmlänge eingeklemmt im Autowrack, aber der Handlungsspielraum erweitert sich auch nicht gerade, als er sich aus seinem „silbernen Käfig“ endlich befreien kann.
So verkommt Wrecked mit zunehmender Dauer irgendwie zu einer Art Geduldsprobe für den Zuschauer, denn obwohl die Naturaufnahmen beeindruckend ausfallen, baut man zu Brody's Charakter nie wirklich jene Bindung auf, aus der heraus man zwangsläufig eine Rettung herbei sehnt. Ein Happy End erwartet man schon gar nicht mehr und doch verwehrt uns Michael Greenspan selbiges nicht und löst wenn auch nicht komplett zufrieden stellend sämtliche Verwirrungen brav zum Abschluss des Films auf. Fragt sich nur, was war Halluzination und welche Geschehnisse sind wirklich passiert? Bis auf den treuen Begleiter in Form eines Schäferhundes, der ganz offensichtlich nicht real existiert, bleibt bei Wrecked so einiges im Dunkeln der menschlichen Fantasie. Vielleicht eine Stärke des Films, gleichzeitig aber auch seine größte Schwäche.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Ein demoliertes Auto mitten im Wald, zwei Leichen, ein Überlebender mit Gedächtnisverlust, allerhand Hinweise, eine falsche Spur... Regisseur Michael Greenspan holte sich mit Adrien Brody für sein Kinoprojekt Wrecked zwar einen viel versprechenden Schauspieler mit an die Seite, aber selbst ein so vorzüglicher Charakterdarsteller schafft es nicht im Alleingang, das Letzte aus einem relativ überschaubaren Storyboard herauszuholen. Bei etwa der Hälfte des Films schwant dem aufmerksamen Zuschauer sowieso, auf welches Ende die Survival Handlungen hinauslaufen werden, was nicht gerade ein Zeichen für cineastische Genialität darstellt. Irgendwie schade, da hätte ich mehr erwartet...
|