Weit weg vom Softrocker Image.

Review | Kritik | Bewertung Nickelback - Here And Now (2011)
Bewertung: 6 von 6 Label: Roadrunner Records www.nickelback.com
Fleißige Radiohörer kennen ihre Hits How You Remind Me, This Afternoon oder Rockstar bereits auswendig und mit regelmäßig ausverkauften Konzertterminen, zahlreichen Auszeichnungen und Awards der Musikbranche sowie bislang über 50 Millionen Alben, die über die Ladentische gingen, zählen Nickelback unweigerlich zu den größten Bands der Rockgeschichte. Wer allerdings die weltweit erfolgreichen Studioalben wie das zuletzt viel gelobte Dark Horse (2008) noch nicht komplett gehört haben sollte, wird sich aufgrund härterer Metalklänge auf dem neuesten Tonträger Here And Now womöglich anfangs verwundert die Augen oder besser gesagt Ohren reiben...
Wie bei vielen ihrer Zunft orientiert sich nämlich das mainstream Publikum nur allzu gerne an den etwas leichteren Rockballaden und verdrängen die Tatsache, dass die vier kanadischen Herren von Nickelback sich nur bedingt als ewig währende Bravo Postervorlage hergeben möchten. Jedenfalls gibt der vorwiegend lautstarke Sound auf Here And Now allen Anlass zu der Annahme, dass Nickelback sich selbst mehr denn je als ernst zu nehmende Metalband identifiziert. Natürlich dürfen auch auf diesem Longplayer absolute Ohrwurmnummern wie Lullaby oder Trying Not To Love You und treffsichere Chartsgranaten betitelt mit When We Stand Together und Holding On To Heaven nicht fehlen, schließlich wäre es vermessen, ausgerechnet die offensichtliche Paradedisziplin einer Band nicht mindestens mit einer Hand voll catchy Songs zu berücksichtigen.
Allerdings muss man als aufmerksamer Musikjournalist – und diesen kleinen Kritikpunkt haben sich Nickelback wohl in weiser Voraussicht zu Herzen genommen – schon festhalten, dass sich dabei das ein oder andere wiederkehrende Muster einschleicht und man so manche Note in ähnlicher Form schon einmal gehört haben könnte. Wenn man diesen Umstand mit einem Augenzwinkern versieht und als Gegenargumentation die härtere Richtungsvorgabe zu griffigem Metal anführt, sieht die Welt aber gleich wieder rosiger, pardon rockiger aus. Frontmann Chad Kroeger startet gleich zu Beginn des neuen Werks Here And Now eine regelrechte Kampfansage (This Means War) und läutet anschließend mit Bottoms Up trinkfeste Feierlichkeiten ein, wie es sich für gestandene Rockheads gebührt: „Who's coming with me / to kick a hole in the sky / I love the whiskey / let's drink the shit till it's dry / so grab a Jim Beam, J.D. / whatever you need / have a shot from the bottle / doesn't matter to me.“ Vor Begeisterung förmlich auslasten lässt einen das verführerische Bildnis einer echten Midnight Queen, die nicht nur Bikern in einer zwielichtigen Bar den Kopf verdreht - ein echtes Highlight auf diesem Album.
Eine ähnlich imposante Rockchick-Begegnung erwartet den Hörer auf Gotta Get Me Some, doch Nickelback zeigen mit ihrem Smasher Kiss It Goodbye eigentlich recht deutlich, was sie wirklich von der leicht zu habenden Groupiekultur halten: „That brunettes move to New York / blondes love California / east coast digs the cocaine / west coast marijuana / don't be surprised / when you swallow more than pride.“ Weiter im rauen Programm geht es mit einem weiteren Anspieltipp namens Everything I Wanna Do, bei dem sich Chad Kroeger stimmlich von seiner besten Seite zeigt und einem die wuchtigen Gitarrenriffs so nachhaltig wie nur irgend möglich ins Gedächtnis eingehämmert werden. Zusammengerechnet macht dies mit dem abschließenden Don't Ever Let It End 11 hochkarätige Tracks ohne Schwachpunkte, dafür mit umso mehr Hitpotential. Im hier und jetzt als musikalische Standortbestimmung könnte man sich wohl fühlen.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Wenn ich eine Sache an Nickelback's neuestem Geniestreich in Albumlänge auszusetzen hätte, dann wäre dies wohl der Umstand, dass Here And Now mit einer Gesamtspielzeit von 40 Minuten wie ein Orkan gefühlt leider viel zu schnell an einem vorbeiziehen, neben allerhand Verwüstung in bester Rockattitüde aber auch einige weitere potentielle Ohrwurmklassiker zurück lässt. Wer allen ernstes die künstlerische Vielseitigkeit der kanadischen Band mit belächelnswerter Identitätskrise verwechselt, hat als Kritiker seinen Beruf verfehlt. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
|