Verschwendet besser Eure Jugend!

Review | Kritik | Bewertung Wasted On The Young (2011)
Bewertung: 4,5 von 6 Studio: Universum Film www.universumfilm.de
Es ist ein von Alkohol, Drogen und egoistischer Selbstverliebtheit verzerrtes Gesellschaftsbild unserer ansonsten orientierungslos gewordenen Generation X, auf die Mütter und Väter nicht gerade stolz sein dürften, dass der Regisseur Ben C. Lucas mit seinem optisch auf Hochglanz polierten Jugend-Drama Wasted On The Young so schonungslos und traurigerweise auch realitätsnah abzeichnet. Darren (Oliver Ackland) ist ein selbst gewählter Außenseiter an seiner Privatschule, dessen soziale Kontakte sich in einem relativ überschaubaren Bereich bewegen. Ganz dem Nerd-Klischee entsprechend ein kluger Kopf, technisch versiert und introvertiert, aber eben auch ein begabter Schwimmer und damit Teil des Schulsportteams.
Der widerum in Schülerkreisen überaus beliebte Teamkapitän Zack (Alex Russell) ist zu allem Überfluss sein neuer Stiefbruder und bei allen charakterlichen Gegensätzlichkeiten müssen beide notgedrungen miteinander auskommen. Zack hat damit anfangs wohl noch die geringsten Probleme, denn er manipuliert beinahe die gesamte Schülerschaft nach Belieben und ist nur um seinen eigenen Vorteil bedacht, weshalb ihm Darren zumindest für die Erledigung Prüfungsrelevanter Aufgaben im Fach Physik nützlich erscheint. Dass die hübsche Xandrie (Adelaide Clemens) aber ausgerechnet den ruhigeren der beiden Stiefbruder interessant zu finden scheint, ist dem nächstbesten Vorstandsvorsitzenden eines Multi-Millionenkonzerns mit einem Ego so groß wie gleich zwei US-Bundesstaaten ein echter Dorn im Auge. Auf einer seiner fast schon legendären Hauspartys kommt es dann zu einem folgenschweren Zwischenfall... Zack's coole Clique mischt der ahnungslosen Xandrie einen betäubenden Drogencocktail zusammen, er und seine beiden dummtreuen Buddies vergreifen sich sexuell an ihr und setzen das regungslose Mädchen anschließend am Strand ab.
Mit diesem Bild beginnt übrigens Wasted On The Young, das in seiner Erzählstruktur für eine Verdichtung der einzelnen Handlungen gerne mit Rückblenden aber auch Visionen und geistigen Fantasien arbeitet. Als Zuschauer weiß man lange Zeit nicht, ob die plötzlich verschwundene Xandrie nun tot ist oder nicht. Sie ist es nicht, zumindest noch nicht, sieht sich allerdings einer vorsorglich durch Gerüchte vorgefertigten Meinung gegenüber und muss erkennen, dass Zack und seinen Freunden ohne die richtigen Beweise in der Hand nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts anzuhaben ist, wäre da nicht Darren, der besorgt dem mysteriösen Verschwinden seiner heimlichen Liebschaft nachgeht und über Umwege die bittere Wahrheit über den Partyabend erfährt. Es folgen nach Rache sehnende Gedankenspiele eines partnerschaftlichen Amoklaufs in der Schule, bei dem man die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen könnte. Kein allzu abwegiges Szenario, hat es schließlich in der realen Vergangenheit leider schon des Öfteren gegeben, aber keine wirkliche Lösung des ursprünglichen Problems, denn eine zunehmend kranke Gesellschaft lässt sich auch mit partiellem Aderlass nicht vollständig rehabilitieren. Die Planungen verlangen einen wesentlich raffinierteren Ansatzpunkt.
Was einem bei Wasted On The Young nach 97 Minuten einer durchaus ansprechenden, weil Gedanken anregenden und vor allem gesellschaftskritischen Story erst auffällt ist die Tatsache, dass es während des gesamten Films nicht einen einzigen Erwachsenen zu sehen gibt. Keine Eltern, keine Lehrer, nicht einmal adoleszente Komparsen. Niemand, der dem jugendlichen Treiben, das irgendwo zwischen Machthaberei, Sinnlosigkeit und Wahnsinn rangiert, schützenden Einhalt gebieten könnte. Vielleicht ist dieser Umstand sogar als eine Metapher der gefühlten Hilflosigkeit in Zeiten perspektivischer Selbstfindung als Heranwachsender zu verstehen. Jedenfalls weiß Wasted On The Young als wachrüttelndes Gesamtwerk nicht nur zwangsläufig einer jüngeren Zielgruppe, sondern vor allem denjenigen Gesellschaftskritikern zu gefallen, die unsere Zeichen der Zeit nicht nur in deren positiver Natur wahrnehmen.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Bösartiges Mobbing via social network, Austausch von brutalen Gewaltvideos über MMS, tödliche Amokläufe an Schulen... Wer seine Augen nicht komplett verschließt muss zugeben, dass die Jugend von heute offensichtlich einem ganz anderen sozialen Druck ausgesetzt scheint, als vergleichsweise harmlose Sex- und Drogeneskapaden vergangener Generationen. Das spannende US-Drama Wasted On The Young arbeitet in beeindruckenden Bildern alle diese Punkte auf und setzt einer ganzen Kultur schonungslos den Spiegel der eigenen Unzulänglichkeit vor Augen. Höchstwahrscheinlich wird es aber so sein, dass der geneigte Kleingeist die geniale Form der Absurdität menschlichen Handelns eher verkennt und der Film nicht die Aufmerksamkeit erfährt, die er verdient hätte.
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