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Donnerstag, 29. Dezember 2011 um 16:57 Uhr

Pop meets Porno.

cd-rihanna5

Review | Kritik | Bewertung
Rihanna - Talk That Talk (2011)

Talk That Talk - RihannaBewertung: 3 von 6
Label: Universal
www.rihannanow.com

„Suck my cockiness / lick my persuasion / eat my poison / and swallow your pride down [...] I want you to be my sex slave / anything that I desire.“ Bei solchen eindeutig zweideutigen Textpassage es ist schon ein wenig verwunderlich, dass Rihanna's mittlerweile sechstes Studioalbum mit dem so treffenden Titel Talk That Talk von den verantwortlichen Jugendschutzorganisationen keinen Hinweis auf Explicit Lyrics oder sonstige Parental Control Advisory abbekommen hat. Dazu noch dieses mit der Zeit eher als nervende Randerscheinung empfunden provokant laszive Stöhnen der Protagonistin zwischen den Zeilen...


Ganz ehrlich, ich möchte mir nicht vorstellen, wie ich es finden würde, wenn beispielsweise meine zwölfjährige Tochter einzelne Songinhalte tönend durchs Wohnzimmer hüpft und in ihrer Naivität nichtsahnend der Welt preisgibt, welche sexuellen Vorlieben man privat so hegt, wenn man ein echter Superstar der Musikbranche wie Rihanna eben immer noch ist und vermutlich auch nach Talk That Talk noch bleiben wird. Der Erfolg scheint ihr allerdings endgültig zu Kopf gestiegen sein, wie man den immer skandalöseren Berichterstattungen der Klatschpresse entnehmen kann. Der Druck ist massiv, die Erwartungshaltung riesig, dazu der harte Touralltag, jedes Jahr ein neues hochkarätiges Album auf den Markt zu bringen nicht gerade leicht. Das brave Popsternchen von einst (man denke an vergangene Pon De Replay Zeiten) gibt es nicht mehr und Robyn Fenty, so Rihanna mit bürgerlichem Namen, schiebt ihre stilisierte Erscheinung, ihr krampfhaft um Aufmerksamkeit bemühtes Rollenbild mehr denn je in den Vordergrund. Psychologisch übrigens sehr aufschlussreich: je größer das öffentliche Interesse zu sein scheint, desto künstlicher fällt der suggerierte tiefe Einblick in Rihanna's Intimsphäre als konsequente Antwort darauf aus, was fast schon als Schutzmechanismus zu verstehen ist.

act-rihannaKommen wir aber zurück zum eigentlichen Kernpunkt dieser Review, dem Inhalt des neuen Albums. So let's talk that talk and make it dirty style... Nach einem beinahe noch harmlosen Liebesgeständnis auf You Da One geht es nicht nur beattechnisch mit Where Have You Been ordentlich zur Sache und elektronische Klänge laden wieder einmal zu hemmungslosen Tanzorgien ein. Calvin Harris zimmerte ihr für die Hitsingle We Found Love ein noch besseres Brett von Klanggerüst zusammen und so stürmt der Track fast schon mit garantierter Sicherheit die (Dancefloor) Charts. Ein Selbstläufer, könnte man meinen... Von „Ziehvater“ Jay-Z habe ich in der Vergangenheit trotzdem schon stärkere Rap-Parts vernommenen als auf seinem prominenten Gastauftritt zu Talk That Talk. „I wanna fuck you right now / but he wana lick the icing off / I know you want it in the worst way / can't wait to blow my candles out.“ Spätestens bei Birthday Cake ist der Hörer endgültig auf zwielichtigem Porno Niveau angekommen und muss Rihanna's wahrscheinlich zum Beischlaf animieren wollendes Dauergestöhne über sich ergehen lassen. Zu dumm nur, dass der an derlei Erotiksuggestion interessierte Endverbraucher für gewöhnlich gerne mal den Ton ausschaltet, wofür Rihanna alternativ dann gerne mal die Sexobjekt Poserei auf den Pressefotos zum Albumbooklet auspackt.

Dann aber zwischendurch sehnsüchtig We All Want Love ins Mikro zu zwitschern, zeugt entweder von massiven psychischen Problemen oder lässt das mehr und mehr als fake kritisierte Künstlerimage noch unglaubwürdiger werden. Wer der Aufforderung von Miss Fenty auf Roc Me Out folge leisten möchte, sollte es der guten Frau einmal richtig dreckig geben und Talk That Talk am besten im nächsten Mülleimer deponieren. Bestimmt nicht, weil es dem Album an guten Beats fehlen würde, nicht weil es trotz allem trash/dirty talk und Liebesgejammer an hitverdächtigen Nummern und Chartsgaranten fehlen würde, sondern einfach nur aufgrund der Tatsache, dass man sich an Rihanna's Art der Musik irgendwann satt gehört und gesehen hat. Von diesem Punkt aus geht es nur noch bergab.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Die Beats sind wieder einmal erstklassig und auch das sechste Studioalbum Talk That Talk ist mit aller nüchternen Oberflächlichkeit, die man dafür aufbringen muss, betrachtet mit zahlreichen garantierten Charts Dauerbrennern wie etwa ein We Found Love versehen, doch... und hier kommt eine in meinen Augen überaus berechtigte Kritik: wie viel Glaubwürdigkeit muss und kann eine junge Künstlerin eigentlich noch einbüßen, bis die eigene Musikkarriere nur noch zu einem faden Beigeschmack trügerischen Seins verkommt? Rein inhaltlich ist Talk That Talk nämlich in etwa so wertvoll wie Spermaspenden nach einer Vasektomie.

 
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