Pop - World
Drucken E-Mail
Music - Pop - World
Samstag, 31. Dezember 2011 um 17:02 Uhr

Was hohe Wellen schlagen kann...

cd-melaniec

Review | Kritik | Bewertung
Melanie C - The Sea (2011)

The Sea - Melanie CBewertung: 4,5 von 6
Label: Red Girl Records
www.melaniec.net

Als drahtig geformtes Mitglied der Girlband schlechthin erntete „Sporty Spice“ in den Neunziger Jahren als Einzelcharakter vermutlich bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, die ihr abseits aller visuellen Reize als eigentlich stets heraushörbares Gesangstalent zugestanden hätte. Seit der Auflösung der Spice Girls ist es Melanie C jedoch gelungen, mit einigen Single-Chartstürmern ihr musikalisches Können mehr in den Fokus zu rücken und so konnte die britische Sängerin in der Vergangenheit vier durchaus erfolgreiche Soloalben releasen.


Nach ihrem letzten Werk This Time (2007) blieb Melanie C aber keineswegs untätig, auch nicht mit zwischenzeitlicher Babypause, denn mit ihrem Musical Engagement für die populäre West End Show (sie übernahm die Rolle der Mrs. Johnstone in Blood Brothers) erfüllte sie sich einen persönlichen Traum und konnte ganz nebenbei noch ihre stimmliche Ausprägung weiter entwickeln. Dies stellt sie nun auch auf ihrer neuesten Veröffentlichung The Sea äußerst facettenreich unter Beweis. Aktuell bekanntester Beitrag darauf ist die Singleauskopplung Let There Be Love mit einem gewissen Aha-Effekt, denn Melodie und Textinhalt sollten einem bekannt vorkommen, schließlich versteckt sich hinter der gefühlvollen Ballade eine englischsprachige Version des Rosenstolz Originals Lass es Liebe sein. Mag manch einer wider berechtigten Plagiatsvorwürfen für eine tolle Sache halten und finden Rosenstolz selbst wegen der internationalen Anerkennung großartig, aber wirklich originell ist ein solches Konzept nicht gerade.

act-melaniecSei es drum, der durchschnittliche Popkonsument wird sich nicht daran stören und Melanie C dürfte sich mit Sicherheit hartnäckiger in den Charts halten, als die deutsche Frauen Fußballnationalmannschaft im diesjährigen Weltmeisterschaftsturnier. Die sportliche Britin ist übrigens selbst ein Fußballfan, wenn auch eher eine des traditionsreichen FC Liverpool und steuerte folgerichtig mit Rock Me einen mit Begeisterung aufgenommenen Titelsong zu den ZDF Übertragungen der erwähnten WM bei. Über ein quasi garantiertes Qualitätslevel der musikalischen Beiträge auf The Sea braucht man gewissermaßen gar nicht nachzudenken, denn wenn Melanie C ihr stimmliches Höhen- und Tiefenspektrum präsentiert, dann klingt das Ganze nicht gerade nach großer Anstrengung, sondern erinnert vielmehr an ein logisches Selbstverständnis. So schafft es die Britin letzten Endes auch, in jedem ihrer Songs ein gewisses Feuer zu entfachen, welches auch noch nach dem letzten Ton weiter im Gedächtnis auflodert.

Ihre jahrelange Tonstudio- und Bühnenerfahrung hört man bei gehaltvoll dramatischen Höhepunkten wie etwa auf Get Out Of Here besonders heraus, trotz aller Harmonie spürbare Spannungskurven zeichnet Songs der Sorte Weak aus und Melanie C könnte mit ihrer außergewöhnlichen Stimme höchstwahrscheinlich noch den simpelsten 80er Jahre Zweitakt-Beat zum großen Wurf innerhalb der Charts verhelfen. Alles andere sind nur dumme Spielereien. „There must have been a crack in the ice / but I can't remember when I felt through.“ Drown erzeugt dann tatsächlich ein wohliges Gefühl von Gänsehaut, bevor sich Melanie C eindrucksvoll in ihrem Beautiful Mind verliert. Beides richtig starke Nummern auf einem alles in allem abwechslungsreichen kleinen Meisterstück namens The Sea, bei dem auch ein entspannt romantischer Beitrag wie One By One freilich nicht fehlen darf.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Müsste man sich als junger Künstler ein musikalisches Vorbild suchen, dann würde wohl der Name Melanie C nicht allzu häufig fallen, wobei ich diesen Umstand gerade nach einem exzellenten Album wie The Sea besonders bedauernswert finde. Diese Frau glänzt in erster Linie mit ihrer außergewöhnlichen Stimme, weshalb selbige insbesondere einem erwachsenen Publikum auch so nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt. Ein Album wie das Meer: das kann so harmlos unscheinbar wirken und doch eine gewaltige Kraft aufbauen, die jeden mitreißt.

 
Joomla templates by a4joomla