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Freitag, 06. Januar 2012 um 16:50 Uhr

Warum der Pietro Style jetzt schon nervt...

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Review | Kritik | Bewertung
Pietro Lombardi - Pietro Style (2011)

Pietro Style (Special Version) - Pietro LombardiBewertung: 1,5 von 6
Label: Polydor (Universal)
www.pietro-lombardi.de

„Anfang des Jahres hat Pietro Lombardi den richtigen Kurs eingeschlagen und befindet sich auch zum Jahresende weiterhin auf der musikalischen Überholspur.“ So sehr ich meinem Branchenkollegen Anselm für dessen musikalisches Verständnis schätze, so skeptisch bin ich für meinen Teil dennoch bezüglich der Glaubwürdigkeit so mancher PR-Maschinerie bzw. fühle mich im Gegenzug dazu immer ein wenig genötigt, künstlerische Absichten kritisch zu hinterfragen. Der Gewinn des letztjährigen Castingformats Deutschland sucht den Superstar war in meinen Augen eine echte Überraschung, aber irgendwo auch logisch nachvollziehbar, wenn man das Zielpublikum als berechenbaren Faktor mit einbezieht.


Spätestens seit dem kontrastreichen Gegenentwurf mit The Voice of Germany und einem qualitativ anspruchsvollen Starterfeld wird einem erst bewusst, mit welchem verzerrt rührseeligen Identifikationsbild der Sender RTL arbeitet. Da passen solche vom Schicksal getroffenen Underdogs mit offensichtlich sympathischer Fehlbarkeit bestens ins Konzept und lässt sich pünktlich zum Weihnachtsgeschäft der nichts ahnenden Käuferschaft noch ein hübsches Sümmchen aus der Tasche ziehen. Warum auch sonst sollte der unbedarfte Pietro Lombardi ein fröhlich gestimmtes It's Christmas Time ins Mikro trällern? Vermutlich weil ihm der Pop-Titan selbiges geraten hat und einfach weiß, was für seinen Schützling das Beste ist. Für seinen neuesten Geniestreich hat sich Dieter Bohlen nämlich wieder einiges einfallen lassen und spielt einmal mehr die Stärken seines DSDS-Musterschülers aus, kann aber insgesamt die Schwächen seiner dünnen Produktionsarbeit nicht mehr ganz so gut kaschieren, wie ihm das noch mit dem verzeihbaren Jackpot Debütalbum gelungen ist.

act-pietrolombardiGerade von einem zweiten Album erwartet man deutlich mehr, als der Pietro Style bereit ist zu leisten. Pietro Lombardi jodelt also mit bestem Schul-Englisch auf wackeligem Unterstufeniveau seine oder sagen wir der Fairness halber Dieter's Tränendrüsen drücken wollende Textzeilen als reine Anbiederungsarien an eine verträumt tolerante Zielgruppe von minderjährigen Bravo-Lesern ins Mikro. Wo andere mit 66 Jahren noch niemals in New York gewesen sein mögen, löst unser wortkarger Teenieschwarm mit gerade einmal 19 das Ticket nach Los Angeles und möchte seinen Hörerkreis auf der ersten Singleauskopplung des neuen Albums am liebsten gleich mitnehmen. Was einem als Kritiker schmunzelnder Weise schon nach wenigen Minuten auffällt, ist die vielleicht nicht unbedingt bemerkenswerteste Tatsache, dass der Pietro Style es schafft, sogar Songs mit anlehnungsweise knisterndem Flirtfaktor (man nehme beispielsweise Baby Feel My Body Rock) zu einer Tralala-Nummer anlässlich der nächstbesten Geburtstagspolonaise im städtischen Kindergarten von Karlsruhe verkommen zu lassen. Wie gut, dass man wenigstens den Kleinen beibringt, dass man sich an scharfen Messern schneiden kann und besser die Finger davon lässt. Wenn es im weiteren Programm konsequenterweise um Herzensangelegenheiten geht, vermisse ich wahrlich einen Beat und zwar einen ordentlichen, der vielleicht nicht unbedingt der Bohlen'schen 80er-Europop Recycling-Zauberkiste entspringt.

Da erfreut sich vielleicht der senile ZDF Wintergarten Zuschauer an „fetziger Jugendmusik von heute“, doch spätestens nach dem 4-5 Track mit ähnlichem Klangmusteraufbau und einem mit der Zeit auch ganz schön nervig vor sich hin schluchzenden Pietro Lombardi vergeht dem anspruchsvollen Hörer einfach die Lust an dieser Platte. „I know it's not easy / we'll dance on fire / baby don't tease me / I want to make you smile / and all what I'm feeling / is a complete disaster.“ (aus Tonight Could Be The Night). Desaster ist hier das richtige Wort, denn so blind, pardon taub kann man eigentlich gar nicht sein, als dass einem nicht spätestens beim zweiten Album (für das man ja nun mehr Produktionszeit hatte) die geringe stimmliche Variabilität eines Pietro Lombardi negativ auffällt, wenngleich er mit gewisser Sturheit konsequent versucht, den ein oder anderen Ton unnötig in die Länge zu ziehen. Ooooohuuohjeeeieeieeeee, das wird nichts.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Bei aller Liebe für ein Castingformat, das wie wir nun dank TvoG wissen, nicht Deutschlands beste Gesangstalente zu fördern gedenkt, sondern mit gewisser Berechnung die minimalen Lichtblicke einer Begabung ansonsten vom Schicksal bislang benachteiligter „Volkshelden“ bis zum letzten Cent ausschlachtet, aber dieser „Schnellwurf“, unmittelbar bevor die neue Staffel DSDS an den Start geht und Pietro Lombardi womöglich von neuen Sympathieträgern überschattet wird, wirkt dann doch zu kalkuliert und landet nach anfänglicher Euphorie irgendwo ganz unten im CD Regal.

 
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