Da werden müde Knochen wieder munter.

Review | Kritik | Bewertung The Rolling Stones - Some Girls (Remastered) Deluxe Edition (2011)
Bewertung: 3 von 6 Label: Polydor (Universal) www.rollingstones.com
Nicht ohne guten Grund huldigen die Herren von Maroon 5 zusammen mit Sängerin Christina Aguilera den charismatischen Tanzeinlagen eines Mick Jagger auf ihrer aktuellen Hitsingle. Der agile Frontmann der unlängst legendären Rolling Stones verzaubert mit seinen illustren Bandkollegen Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts das Publikum nun schon seit der Bandgründung 1962 mit einem ganz besonderen Spirit of rock'n'roll lifestyle, wenn man es so banal umschreiben möchte.
Kommerziell betrachtet waren und sind die Stones auch heute noch eine der beispiellos erfolgreichsten Bandformationen und das Generationen übergreifend, auch wenn ein Twentysomething der Neuzeit mit den in die Jahre gekommenen Rockveteranen vermutlich nicht mehr ganz so viel anzufangen weiß, außer ihnen im (Tour)Bus in den vorderen Reihen höflich einen Sitzplatz anzubieten. Ein guter Grund mehr, deren meistverkauftes Studioalbum Some Girls aus dem Erscheinungsjahr 1978 zu remastern und mitsamt 12 weiteren unveröffentlichten Tracks noch einmal auf den Markt zu werfen. So hat schließlich jeder etwas davon und die neue Veröffentlichung spielt noch den einen oder anderen müden Dollar in die Rentenkasse der Rolling Stones, möchte man meinen.
Fakt ist aber bei allem dahinter vermuteten Kommerzgedanken, dass die Herren um Mick Jagger (damals noch mit Bill Wyman als Unterstützung am Bass) sich auf dem quasi „neuen“ Material – teilweise auf Demosongs basierend, die erst kürzlich fertig gestellt wurden – erstaunlich unbeschwert mit purem Spaß an gemeinsamer musikalischer Sache anhören. So wünscht man sich guten Rocksound. Wer sich von einer damaligen Disco-Anbiederung wie Miss You nicht gleich abschrecken lässt, kann aus purer Einbildung heraus mit den Stones lässig die Hüften schwingen und braucht dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben. Mit Lies wird es dann deutlich wilder und Mick Jagger kreischt sich förmlich die Seele aus dem Leib. Sogar waschechte „Landeier“ aus amerikanischen Provinznestern konnten sich anno '78 über eine entspannte Country-Nummer namens Far Away Eyes freuen. Da wird das gezähmte Beast Of Burden beinahe zur respektablen Nebensache, aber kommen wir zum wirklich interessanten Teil... dem unveröffentlichten Songmaterial.
So präsentiert sich Keith Richards – jener rauhbeinige Kerl, der bei den letztjährigen Spike Guy's Choice Awards mit den Brass Balls für seine einzigartige Macho Lebensbiografie ausgezeichnet wurde – auf We Had It All von einer unerwartet gefühlvollen Seite. Songs der Sorte Talahassee Lassie mangelt es dabei keineswegs an Groove und für den nötigen Coolness-Faktor sorgt beispielsweise der Keep Up Blues, allerdings muss man bei allen wohlwollenden Worten festhalten, das es dem Re-Release von Some Girls mit dem aktuellen Anspruchsniveau an gute Rockmusik leider irgendwie an Durchschlagskraft mangelt. Nett anzuhören ist das alle Mal, aber man lauscht eben manchmal nur des Friedens wegen geduldig den Erzählungen eines Großvaters, ohne wirklichen Gefallen daran zu haben.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Alexander Riede ist der Meinung... Bei allem nötigen Respekt, den man für die jahrzehntelangen Leistungen der Rolling Stones im Musikbusiness aufbringen sollte, muss man nicht zwangsläufig erwarten, dass jeder Rockliebhaber gleich wahre Freudensprünge vollführt, angesichts der Neuauflage eines mehr als 30 Jahre alten Some Girls. Die Stones sind zeitlos, keine Frage, aber irgendwie fühlt man sich angesichts dieses Releases ein bisschen an musikalischen Geschichtsunterricht erinnert. Nur spannend für Oldies und Aufgeschlossene...
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