Opulentes Spektakel für Fans.

Review | Kritik | Bewertung Take That - Progress Live (2011)
Bewertung: 2,5 von 6 Studio: Universal www.takethat.com
Sie sind wieder da: Take That! Und zwar mit Robbie!! Also vollständig. Nach erfolgreichem Album und ausverkaufter Tournee, werden die Fans mit einer Live DVD belohnt. Eines der Konzerte im City of Manchester Stadium wurde abgefilmt, geschnitten und auf Disc gebannt. Dazu gibt es als Beilage eine kleine Dokumentation, in der ein paar Interviews und Backstage-Aktivitäten zusammen geschustert wurden. Das ist für jene Fans, die einfach alles von ihren Idolen sammeln. Jeder andere braucht es eigentlich nicht, außer er will ein wenig zwischen den Zeilen lesen und interpretieren. Denn Progress Live bietet ein paar interessante Einblicke, die zu wilden Spekulationen und bösem Gelächter anregen könnten.
Jede männliche Person meines Alters muss zugeben, dass Take That sein Leben beeinflusst haben. Wir haben sie nicht gehört, sondern eher gehasst. Gegen einen Mark Owen, der in der Bravo abgebildet ist, hatten wir kaum eine Chance, wenn es um die Eroberung von Mädchenherzen ging. Und dann haben sie mit Titeln wie Back For Good auch noch bei dem ein oder anderen Kumpel punkten können. Und man selbst hat sich sogar dabei erwischt, wie man dazu schunkelt. Sie machten das Teenager-Dasein nicht einfacher. Aber wie ist das heute? Die erste Antwort, die uns die Live-DVD gibt, eröffnet sich bereits vor der ersten gesungen Note. Ein riesiges Stadion, das bis zum Bersten gefüllt ist. Eine dazu passend große Bühne, an deren Spitze eine riesige Statue steht, wie sie dem verstorbenen Dikatator Kim Jong-ill sicher gefallen hätte. Dann kommen die Boys. Wenn man sie noch so bezeichnen will. Denn gnadenlose Nahaufnahmen entlarven ihr fortgeschrittenes Alter. Sie entlarven auch, dass es sich nur um eine Show handelt, Business eben.
Wirkliche Begeisterung findet sich bei ihnen kaum. So trällern sie die ersten Titel herunter, zeigen Fan-Nähe, indem sie der ersten Reihe die Hand geben. Das wird vom Publikum applaudierend honoriert. Dieses Publikum, das ist die zweite Feststellung, kreischt nicht mehr bis zur Ohnmacht, sondern klatscht und singt ein wenig mit. Es ist eben erwachsen geworden. Erst recht spät fällt einem auf, dass nur vier der fünf auf der Bühne sind. Wo ist Robbie?! Damit sind wir bei Antwort Nummer 3 angekommen: Mit dem propagierten Bandzusammenhalt ist es wohl nicht weit her, denn Robbie Williams bekommt einen Extraauftritt. Offensichtlich ist er das Zugpferd. Der Erste unter Gleichen, wenn man so will. Also lassen ihn die Veranstalter ein paar seiner eigenen Lieder zum Besten geben. Das dürfte Gary Barlow weniger gefallen haben, spricht aber für die intelligente Marktstrategie von dessen Management. Denn Robbie hat es einfach drauf! Statt einstudierter Gesten, gibt es einen Hauch Rockstar. In den 20 Minuten seines Soloauftrittes erkennt man, warum er der erfolgreichste der Fünf ist. Er flirtet mit der Masse, macht seine Späßchen, bringt ein wenig rebellischen Geist in die bis dahin steril konstruierte Veranstaltung. Er ist und bleibt der Entertainer der Gruppe.
Das Resultat ist, dass die Menge tobt und der Zuschauer kurzzeitig ein Gefühl von Unterhaltung bekommt. Der Rest der Show surft auf dieser, von Wirbelsturm Robbie Williams verursachten, Welle. Es gibt ein Rollschuhballet, Fassadenkletterer und natürlich auch die alten Hits wie erwähntes Back For Good. Das ist alles inszeniert und für Nicht-Fans von Take That langweilig. Auffällig ist dabei der ausgeprägte Individualismus von Gary, Robbie und Co. Irgendwie hat man immer den Eindruck, dass sie versuchen sich aus dem Weg zu gehen. Wenn dann einer von ihnen mit geschultem Lächeln auf der riesigen Bühne herumläuft, umringt von Tänzern, aber doch allein, bekommt man fast schon Mitleid, wenn nicht gerade Schadenfreude überwiegt. Fans werden es, wie die Tausenden im Stadion, trotzdem genießen können. Danach kann man sich noch die 25-minütige Doku anschauen. Hier geben die gereiften Stars ihre Plattitüden über die Band zum Besten, wie toll der Zusammenhalt ist, welch gute Freunde sie sind, etc. Auch hier ist es wieder Robbie Williams, der mit seiner kindischen Art für ein wenig Auflockerung sorgt. Ansonsten ist es eben „Business as usual“. Mehr hat man auch nicht erwartet.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Sven Sauerhammer ist der Meinung... Es ist schwierig eine Live-DVD zu bewerten, wenn man die Musik von Haus aus nicht sonderlich mag. Fairerweise muss man dabei der Inszenierung mehr Platz einräumen, als der musikalischen Klasse der gespielten Titel. So gesehen, muss man über Take That Progress Live sagen, dass es ein großes, gut organisiertes Konzert ist, das mit allerlei Showeffekten und Tanzeinlagen zu punkten weiß. Leider hat das eben auch die Schattenseite, dass alles steril und unecht wirkt, mit der riesigen Statue sogar ein wenig größenwahnsinnig. Zugreifen werden, wie bei den meisten Live DVDs, nur echte Fans der Gruppe.
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