Ein Kunstwerk des klassischen Jump & Runs.

Review | Kritik | Bewertung Rayman Origins (2011)
Bewertung: 5 von 6 Hersteller: Ubisoft www.rayman.ubi.com
Mitte der 90er sollte Rayman eine Art Mario für Ubisoft und für die Playstation werden. Als das nicht so recht funktionierte, verschwand er wieder in der Versenkung. Doch jetzt ist er mit Rayman Origins zurück und das besser als je zuvor. Denn ohne Zweifel ist das neue Rayman-Spiel derzeit das beste Argument, will man Videospiele auf den Olymp der Kunst erheben. Was die französischen Entwickler hier abliefern, ist nichts anderes als eine einzigartige Komposition aus visuellen, auditiven und spielerischen Elementen gepaart mit französischem Humor und Innovationskraft. Und obwohl 2D-Jump & Run Games als hoffnungslos veraltet gelten, hat man sich auf die klassischen Prinzipien dieses Genres besonnen und das Beste aus ihnen herausgeholt.
Ein Grund mehr, warum dieses Game einen Platz im Videospiel-Louvre verdient hat. Aber wo anfangen, bei einem Spiel, das so viel Abwechslung und so viele witzige, liebenswerte Details besitzt. Am Besten beginnt man mit dem einfachsten. Wie in diesem Genre üblich ist die Story von der Art „Klempner muss Prinzessin retten“. Aber selbst hier haben sich die Macher etwas ausgedacht. So springt Rayman keiner Liebsten hinterher. Er muss die dunklen Horden aus der Unterwelt wieder in selbige treiben. Pikanterweise sind er und seine Kumpels an deren Überfall selbst Schuld. Während eines gemütlichen Schläfchens haben sie so laut geschnarcht, dass sich das ältere Herrscherpaar der Hölle furchtbar aufregen musste. Daraufhin haben sie ihre Lakaien losgeschickt, der Ursache den Gar auszumachen. Das können Rayman und Co. natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Und so beginnen sie die Unterdrücker aus allen möglichen Welten zu verjagen. Die erste Geige spielt dabei natürlich Rayman selbst. Bereits die ersten Bewegungen mit dem Helden sind eine wahre Freude. Die Animationen sind flüssig und wirken, als spiele man einen Zeichentrickfilm. Natürlich ist dabei alles überzeichnet. Beim Sprinten verwischen die Beine in einem Strudel, wie man es bei Roadrunner kennt, Schläge werden durch ein mächtiges Ausholen der Hand in Szene gesetzt.
Genauso flüssig wie die Animation ist auch die Steuerung. Rayman macht genau das, was er machen soll, wenn er es machen soll. Neben Rayman kann man auch mit seine Kumpels spielen. Die bringen zwar keine neuen Moves, aber neue, teils noch schrägere Animationen. Der eigentliche Star von Rayman Origins sind aber die Level, in der sich unser Held bewegt. Sie stehen unter bestimmten Mottos. Es gibt Dschungel-, Unterwasser-, sogar Mallorca- und Musikwelten. Dabei werden die Mottos konsequent durchgehalten. In einem Musiklevel schwebt Rayman auf dem Luftstrom einer Trompete über Hindernisse hinweg, er springt Vögel vom Schnabel, die auf Notenzeilen hocken. Im Mallorcalevel springt man dicken Touristen auf den Bauch, woraufhin die eine Sangriafontäne ausspucken, auf welcher Rayman surfen kann. Solche wunderbaren Witzeleien findet man immer und überall. Vor allem bei den debil schauende Gegnern. Die blasen sich zum Beispiel nach einem Treffer zu Ballons auf, schweben gen Himmel und betteln förmlich darum, dass man ihnen die Luft endgültig raus lässt. Auch das Äquivalent zu den Münzen bei Mario, die sogenannten Lums, hängen nicht einfach in der Luft rum. Sie schlafen sanft schaukelnd, schreien in einer Seifenblase um Hilfe oder feiern ihren Helden, wenn er einen der großen „Königlums“ erwischt. Daneben begeistert die Hintergrundgestaltung. So bunt, so detailreich unterstreichen sie die Level und setzen sogar eigene Akzente. In Unterwasserleveln schweben dort Quallen im Takt der Musik hin und her.
An allen Ecken und Enden findet man solche wunderbaren Einfälle, welche dem Spiel eine kunstvolle Komposition verleihen, die man einfach mal erlebt haben muss. Beim eigentliche Spielprinzip hat man aber konsequent auf die Klassiker wie Mario und Sonic gesetzt. Wie auch bei Mario können alle Level wiederholt werden, damit man Goodies und Secrets, die beim ersten Durchlauf übersehen wurden, holen kann. Es gibt auch die Möglichkeit, schnellstmöglich ein Level gegen die Zeit zu meistern. Findet man alle Lumens oder ist schnell genug, dann hagelt es extra Elektoons. Die braucht man, um in die nächste Welt zu gelangen, außerdem werden mit ihnen Bonuslevel und Raymans Kumpel als Spielfiguren freigeschaltet. Die skurrilen Ideen erinnern etwas an Earthworm Jim. Das eigentliche Spielen erinnert mehr an Sonic. Statt Gegnerhorden steht Geschicklichkeit im Vordergrund. Ähnlich wie Sonic wird man immer wieder beschleunigt, die verschiedenste Gegenstände wie Trommeln oder Dschungelpflanzen als Trampolins zweckentfremdet. Anderswo muss man geschickt in Luftströmungen manövrieren. Das ist abwechslungsreich gestaltet, aber nicht wirklich neu. Außerdem sorgt es des öfteren für Frust, denn einige Stellen sind unverschämt schwer. Glücklicherweise sind die Checkpoints fair verteilt, so dass ein Neustart des Abschnitts kein allzu großer Verlust ist. Hat man aber den Dreh mal raus und weiß, wann man wohin springen muss, lassen sich die Level so flüssig durchflitzen, dass Sonic vor Neid ergelben würde. Trotzdem bleibt es nur den Hartnäckigsten vorbehalten, das Ende sehen zu können. Der Schwierigkeitsgrad ist eindeutig für Meister des Genres gestaltet worden.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Sven Sauerhammer ist der Meinung... Meine Großmutter beschwert sich immer darüber, dass ich Schillers Glocke nicht auswendig kann. So große Kunst müsste man doch kennen! In 50 Jahren sage ich das vielleicht auch zu meinen Enkeln über Rayman Origins. Eigentlich ist es kaum möglich, die liebevolle Präzision, mit der dieses Spiel gestaltet ist, zu beschreiben. Man muss es einfach einmal gespielt haben. Grafik, Leveldesign, die flüssigen Animationen. Das alles für sich allein ist schon die Höchstnote wert. Deren elegante Komposition und Abstimmung spielt eigentlich schon in einer anderen Liga. Nur der hohe Schwierigkeitsgrad gibt ordentlich Punktabzug. Das hätte nicht sein müssen, eigentlich nicht sein dürfen. Viele werden wegen ihm einige wunderbare Abschnitte gegen Ende des Spieles nicht sehen können. Trotzdem: Ich bin schon länger der extravaganten Ansicht, dass auch Videospiele künstlerisch wertvoll sein können. Und Rayman Origins gehört eindeutig dazu.
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