Eine oberflächliche Moralpredigt in Filmlänge.

Review | Kritik | Bewertung The Ledge (2011)
Bewertung: 1,5 von 6 Studio: Universum Film www.ledgemovie.com
Der Vormarsch konservativer Kräfte in den USA wird seit Jahren in den liberalen Kreisen der amerikanischen Gesellschaft argwöhnisch beäugt. Die Tea Parts Bewegung ist ein solcher Auswuchs dieses Vormarsches und hat auch bei uns Aufmerksamkeit erregt. Es wird Zeit, dass liberalere Kräfte zurückschlagen. Das hat sich wohl auch Regisseur und Drehbuchautor Matthew Chapman gedacht. Mit The Ledge brachte er einen Thriller über den Konflikt zwischen christlichen Fundamentalisten und säkularen Freidenkern heraus. Dass der Film als Gerüst ein mehr als fragwürdiges, geradezu unglaubwürdiges Moralproblem konstruiert, das mit stereotypen Figuren ausgestattet ist, hilft den liberaleren Kräften dabei wohl eher weniger.
Hotelmanager Gavin Nichols (Charlie Hunnam) steht auf dem Dach eines Hochhauses und droht hinunter zu springen. Um das zu verhindern, wird Polizist Hollis Lucetti (Terrence Howard) gerufen. Er versucht den Selbstmörder von seinem Vorhaben abzubringen und erfährt, dass Gavin nur springen will, um seine Geliebte Shana Harris (Liv Tyler) zu retten. Ihr gehörnter Ehemann Joe (Patrick Wilson) droht, sie umzubringen, wenn Gavin sich nicht sein Leben nimmt. Deshalb steht Gavin am Rand eines Daches und ist dabei, seinen letzten Schritt zu tun. Die nächste Stunde erzählt er Hollis die ganze Geschichte. Hollis seinerseits hat ein gewisses Verständnis für die Lage, muss er doch selbst ein moralisches Problem bewältigen. Kürzlich hat er erfahren, dass seine Kinder gar nicht von ihm sind. So stehen die beiden Gebeutelten auf dem Dach und versuchen ihre Probleme in den Griff zu bringen. Dass sich Filmemacher mit moralischen Zwickmühlen beschäftigen, ist dabei nichts Neues. Dass sie jedoch oft genug daneben greifen, auch nicht.
Ein Mann soll sich für seine Liebste, die mit einem anderen liiert ist, opfern. Das ist so einfach gestrickt, wie die Ticking Bomb Szenarien der Actionserie 24. Die Sympathien sind dabei genauso einfach verteilt. Natürlich foltert Jack Bauer den bösen Terroristen, um an Infos zu kommen. Immerhin rettet er damit tausende von Leben. Natürlich stellt sich Gavin auf den Sims, um die schöne Shana zu retten. Er ist der nette Freigeist, der sich gegen den bösen Fundamentalisten Joe stellt, welcher seine Frau in einem Gefängnis aus Dogmen und Regeln hält. Kein Wunder, dass sie sich in ihn verliebt. Und natürlich erfindet Joe einen diabolischen Plan, um dem Atheisten Gavin göttliche Rechtsprechung zu lehren. Die Fronten sind dabei genauso klar verteilt wie die Sympathien. Das ist alles sehr oberflächlich. Gibt aber auch irgendwie ein interessantes Bild der liberalen Kräfte Amerikas. Sie scheinen immer noch nach den Regeln fundamentalistischer Schreihälse zu spielen. Immer wieder sind sie es, die vor dem Abgrund stehen.
The Ledge bildet da keine Ausnahme. Denn man bedient sich stereotypen und schlecht durchdachten Ansichten, wie die Gegenseite. Die werden in diesem Film ausgiebig zur Schau gestellt, wenn Joe und Gavin buchstäblich über Gott und die Welt streiten und der ruhige Gavin jeden intellektuellen Angriff des aufbrausenden Joe glanzvoll pariert. Da bleibt Joe nichts anderes übrig als seine Hände in die Luft zu werfen, als ob er Gott um Hilfe bittet. Genauso schlicht ist das Liebesverhältnis zwischen Gavin und Shana. Sie ist die hübsche, aber unterdrückte Frau und er ihr Retter. Mit solch schwachen Figuren kommt kaum Leben in das moralische Konstrukt. Das Ganze wird dann auch von der schauspielerischen Leistung unterstrichen, die genauso unglaubwürdig ist, wie es das Drehbuch vorschreibt. Das Ende bringt dann etwas Spannung in den Film, aber keine wirklich befriedigende Auflösung des moralischen Zwiespalts.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Sven Sauerhammer ist der Meinung... Nach etwa einer Stunde von größtenteils haltlosen Moralpredigten und -diskussionen wünscht man sich, dass Gavin endlich den letzten Schritt macht und uns alle erlöst. Die naiven Dialoge gemischt mit schlechten Darstellungen sorgen für ein tiefes Gefühl des Fremdschämens. Wenn überhaupt, dann ist The Ledge ein Beispiel für die Oberflächlichkeit, mit der eine der wichtigsten Thematiken, die uns von der Aufklärung hinterlassen wurden, derzeit besprochen wird. Ein Film der zu Recht in dem Abgrund der Bedeutungslosigkeit verschwindet.
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