Wer schaufelt denn da ein Grab im Wald?

Review | Kritik | Bewertung Sixxxten - Automat Supérieur (2011)
Bewertung: 2,5 von 6 Label: Redfield Records (Alive) www.sixxxten.com
Nachdem das letzte Punkrock-Stückwerk namens Jugend Violencia (über das Generation One im Erscheinungsjahr 2009 auch berichtet hat) der 4-köpfigen Band Sixxxten schon einige Zeit zurückliegt, können wir seit dem 11.11.2011 endlich ihre neue Scheibe Automat Supérieur in den CD-Player einlegen. Der Bandname der Hamburger bzw. Bremer Jungs kommt dabei nicht etwa von der englischen Zahl 16 wie man vermuten könnte, sondern wird abgeleitet vom skandinavischen Jungennamen Sixten, aber das wussten vermutlich schon einige. Für den Rest sei es hier noch einmal erwähnt.
Bandnamensgeber ist genauer gesagt der Sänger und Frontmann Sixten (Gitarre), die Band wird komplettiert durch Nülsen (Gitarre, Synth), Prismo (Drums) und Schnitzky (Bass). Ihre erste Platte war eher ein Dokument von altem Material, das sich über Jahre angesammelt hat. Nach dem Albumrelease war definitiv eine musikalische Weiterentwicklung möglich, vielleicht sogar ansatzweise nötig und diese haben die vier auch konsequent genutzt. Die neue CD öffnet gewissermaßen die Tür zu einem gänzlich anderen Raum im Sixxxten-Klang-Universum, wie der mitgelieferte Pressetext ankündigt.
Bei ihrem zweiten Album Automat Supérieur war es ferner wichtig, sich nicht aus dem Kosmos „Hamburg“ herauszubewegen, jedoch mussten sie es auch schaffen, nicht im Keim des Hamburger Musikklischees erstickt zu werden. Die neue Platte wurde unter der Führung von Gregor Henning live und analog auf einer alten 24-Spur-Bandmaschine aufgenommen, mit allen Fehlern und Unzulänglichkeiten, um nicht in Versuchung des Überproduzierens zu kommen. Das begründet es auch, dass das Album nicht perfekt ist und viele Fehler enthält. Zum einen findet man keine perfekt gecutteten Takes, zum anderen keine Gitarrenwände. Natürlich gibt es vielfach Gitarren, Klaviereinsatz, Synthies und sonstigen Elektroschrott, aber auch einige kläglich verstimmte Momente, die so manchen an glattgebügelte Klangqualität gewöhnten Hörer leicht stören könnten.
Jedoch wurde Sixxxten dadurch auch die größtmögliche Freiheit gegeben, nämlich einfach mal nicht nach dem perfekten Moment, dem radiotauglichen Melodiebogen oder dem umschmeichelnden Text zu suchen. Das große Plus, das Sixxxten dennoch nach wie vor für sich verbuchen können, sind sicherlich die recht originell und eigen geratenen, deutschen Texte der Band, die sich auf Songs wie Wodka Hypnotika, Commodore Jihad oder dem Gedicht für Egoisten weit abseits vom kitschigen Radio-Pathos bewegen. Insgesamt liefern sie also mit Automat Supérieur ein solides Rock-Release mit einigen dezenten Elektro-Elementen ab, das über eine Menge Groove und ein stimmiges Songwriting verfügt.
Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung
Florian Czada ist der Meinung... Die Freiheit, die der norddeutschen Bandformation von Sixxxten bei den Aufnahmen ihrer neuen Platte Automat Supérieur geschenkt wurde, kann man im Verlauf der Platte deutlich heraushören. Das Endprodukt wirkt auf Kritiker wie mich einerseits positiv durch jede Menge Gefühl und Kreativität, andererseits negativ durch zu viele Fehler und verstimmte Momente. Einfach pur und nicht perfekt, also entweder mag man es oder eben nicht... Bildet Euch selbst eine Meinung.
|