PC
Drucken E-Mail
Games - PC
Freitag, 27. Januar 2012 um 15:30 Uhr

Mittelmaß statt Macht.

gm-swtor

Review | Kritik | Bewertung
Star Wars: The Old Republic (2012)

logo-gameworldBewertung: 4 von 6
Hersteller: Electronic Arts
www.swtor.com

Star Wars: The Old Republic (abgekürzt: SWTOR) wurde bereits vor seinem Release stark gehyped. Fernsehwerbung, Berichte in den Medien, ein umfangreicher Internetauftritt... und tatsächlich gab es auch Anzeichen, dass uns hier ein echter Konkurrent für WOW ins Haus steht. EA hat mit dem kürzlich aufgekauften Bioware niemand geringeren als die Erschaffer der Bioshock Reihe auf das Projekt angesetzt. Darüber hinaus wird an die erfolgreiche Reihe Star Wars: Knights Of The Old Republic angeknüpft. Und schließlich ist es Star Wars! Kann man da überhaupt etwas falsch machen?! Die fast schon blasphemische Antwort: Ja, und zwar nicht zu knapp. Der folgende Artikel ist ein erster Eindruck von SWTOR.


Wer dem Spiel wohlgesonnen ist, der nennt es „Einsteigerfreundlich“ oder „unkompliziert“. Bösere Zungen zischen eher „ausgelutscht“ und „So abwechslungsreich wie die Eislandschaft von Hoth“. Tatsächlich kann man dem Spielprinzip nach etwa 15 Spielstunden kaum nachsagen, es sei sonderlich innovativ. Dabei beginnt alles mit hollywoodreifer Action. Noch bevor man den ersten Schritt in die Welt von Star Wars: The Old Republic gemacht hat, wird man mit zwei spannenden Filmsequenzen beglückt, in denen sich Jedis und Siths mit zischenden Lichtschwertern duellieren, was die Macht hergibt. Dazwischen wird der Charakter erstellt. Man wählt zwischen der dunklen und der hellen Seite, also Imperium oder Republik. Die verfügbaren Klassen heißen zwar anders, letztlich erkennt man aber schnell alte Bekannte. Der Sith-Inquisistor ist eben ein Heiler und Magier, der Schmuggler ein Dieb und Fernkämpfer und so weiter. Es gibt da auch keinen wirklichen Unterschied zwischen heller und dunkler Seite. Zum Schluss wird noch Rasse und Aussehen eingestellt, fertig ist das Spacemännchen. Jeder der mal ein paar der zahlreichen Star Wars Filme, Serien und Spiele gesehen hat, wird hier nicht weiter überrascht.

game-swtorNach dem zweiten Filmchen geht es dann endlich Richtung Sternenkrieg. Und ich muss zugeben, dass ich zunächst ordentlich angefixt war. Allerdings musste ich mich schnell der virtuellen Realität stellen, in der ich leider keine eleganten Saltos machen und meine überlegenen Jedi-Fähigkeiten an den schwierigsten Aufgaben stählen darf. Stattdessen beschränken sich die Aufträge auf das übliche „Gehe zu Punkt A und hole Gegenstand K“, „Vernichte Gegner X“ oder deren Kombination „Vernichte Gegner X und nimm von ihm Gegenstand K“. Gekämpft wird nicht mit geschickter Fingerakrobatik und flinker Mausbewegung, sondern in dem man ganz standesgemäß zuerst den Gegner anklickt und dann den Angriff durch Betätigen des entsprechenden Buttons in der Menüleiste oder durch einen Druck auf die zugewiesenen Zahltaste ausführt. Epische Lichtschwertduelle kommen so nicht wirklich zustande. Die gesammelte Erfahrung steigert den Level und es gibt jeden Aufstieg den üblichen Punkt für den Skillbaum. Dort werden keine neuen Fähigkeiten erlernt, sondern nur verbessert. Die Skills kauft man bei einem Ausbilder. Das hat zur Folge, dass jeder Spieler alle Sprüche seiner Klasse zur Verfügung hat und sich von anderen nur in Details unterscheidet. Eine richtige Charakterentwicklung ist dadurch nicht möglich, aber es erfüllt seinen Zweck. Veteranen des MMORPG- Genres finden sich also schnell zurecht, werden aber sicher nicht vom Hocker gerissen.
 
Das alles ist Standard, aber nicht unbedingt schlecht. Woran es Star Wars: The Old Republic wirklich mangelt ist Atmosphäre. Dabei haben sich die Entwickler die Arbeit gemacht, jeder Klasse einen eigenen Handlungsstrang zu geben und alles voll zu synchronisieren. Es wurde sogar der Versuch unternommen, erzählerische Spannungsbögen einzubauen. Schade nur, dass diese Mühen an der naiven Schwarz-Weiß-Malerei scheitert. So werden den Sith reihenweise Rassen- und Blutklischees angedichtet, während die Jedis die Verkörperung von political correctness darstellen. Sith töten ihre schwachen Schüler, Jedis bauen sie mit netten Worten wieder auf. Und statt weiser Worte eines Obi-Wan wird man mit platten Dialogen und dümmlichen Sprüchen gefoltert. Selbst der geduldigste Padawan hält das nur ein paar Dialoge lang aus und drückt den Rest dann schnellstmöglich weg, was die umfangreiche Synchro in Frage stellt. Auch die optische Gestaltung gibt wenig Anlass zum Jubeln. Die solide Grafik bietet kaum gestalterische Höhepunkte. Augenöffner und Wow!- Erlebnisse findet man hier nicht. Obwohl jede Welt ein eigenes Design hat, wird es schnell langweilig. Die Dungeons sehen gleich aus und bieten kaum abwechslungsreiche Gegner, welche darüber hinaus die einzigen Lebewesen auf den Planeten zu sein scheinen. Außer einer handvoll Kreaturen pro Welt, die man auch noch beseitigen muss, scheint es kein Leben zu geben. Die eintönigen Aufträge tun ihr übriges.

Auch die Städte sind unterbevölkert. Nicht nur, weil sich dort weniger Spieler als erwartet tummeln, sondern auch wegen der vereinzelten und einfallslosen NPC's. Die stehen eigentlich nur rum. Manchmal auch zu zweit, was eine Unterhaltung andeuten soll. Das Ganze sieht noch trauriger aus, wenn man beachtet wie groß die Stadtareale (also der Bereich in dem nicht gekämpft wird) ist. So kommt es vor, dass man eine Straße entlang rennt, ohne auch nur einen einzigen NPC oder anderen Spieler zu sehen. Die Städte der Zukunft scheinen ihren Ballungscharakter verloren zu haben. Wer hofft in einer der Bars oder Kantinen auf lustiges Volk zu treffen, wie Luke und Obi-Wan, wird enttäuscht entdecken, dass es eher aussieht wie bei Moe`s.



redakteur-sven

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Ich gebe zu, dass ich meine Vorurteile gegen Produkte habe, um die ein großer Hype gemacht wird. Viel zu oft halten sie nicht, was die Werbung verspricht. So ist es auch mit dem Ersteindruck von SWTOR. Technisch durchaus auf der Höhe der Zeit, fehlt die Atmosphäre, das Herz, die Seele. Genau das was ein gutes Spiel ausmacht und bei einem MMORPG noch wichtiger ist. Warum sollte ich monatlich dafür zahlen, dass ich wochenlang durch öde Landschaften laufe, um sinnfreie Aufträge zu erledigen, die mit den ewig gleichen Kampfstrategien gelöst werden? Allerdings darf ich die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen. Auch wenn die Anfangsphase nur Mittelmaß war, steigert sich das Spiel ja vielleicht noch. Der nächste Artikel wird eher auf den langlebigen Spielspaß zielen. Wie steht es um die Zusammenarbeit mit anderen Spielern? Wie mit Kämpfen gegen sie? Was für Nebenbeschäftigungen bietet SWTOR? Man erhält sein eigenes Raumschiff und Gefährten, die spezielle Aufträge ausführen oder im Kampf helfen. Das sind zwei Hoffnungsschimmer. Aber reichen sie, um einen Spieler über längere Zeit zu beschäftigen, damit sich die monatlichen Kosten auch lohnen? Wir es sehen werden.

 
Joomla templates by a4joomla