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Freitag, 27. Januar 2012 um 16:53 Uhr

Casablanca Feeling im Fernen Osten.

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Review | Kritik | Bewertung
Shanghai (2012)

logo-lovefilmBewertung: 2,5 von 6
Hersteller: Universum Film
www.universumfilm.de

Der Filmklassiker Casablanca aus dem Jahr 1942 mit seinen Hauptdarstellern Humphrey Bogart und Ingrid Bergman wirft bis heute einen langen Schatten. Immer wieder wird er filmisch zitiert oder Kritiker nehmen ihn als Vergleichsobjekt, nicht zuletzt um zu zeigen, dass kein moderner Film an das Original herankommt. Der Kinostreifen Shanghai des schwedischen Regisseurs Mikael Hafström deckt diese beiden Aspekte vollkommen ab. Sein Film orientiert sich thematisch und auch filmtechnisch an dem großem Vorbild. Gleichzeitig kann er ihm nicht im Geringsten das Wasser reichen.


Ein paar Wochen vor Pearl Harbour: der amerikanische Geheimagent Paul Soames (John Cusack) reist nach seinem Auftrag im nationalsozialistischen Berlin nach Shanghai. Während der Krieg der Japaner gegen China an Heftigkeit zunimmt, findet hinter den Kulissen Shanghais ein Spionagekrieg statt. Eines der Opfer äußerer Umstände ist Pauls Freund Connor (Jeffrey Dean Morgan). Paul macht sich auf die Suche nach dessen Mörder und stolpert so ungewollt mitten hinein in die kriegerischen Außeinandersetzungen. Historischer Background, gepaart mit einer glanzvollen Stadt und aufwendiger Ausstattung. Grüße aus Casablanca. Tatsächlich versucht Mikael Hafström den Film Noire Einschlag des Vorbildes einzufangen. Statt pathetischer Kriegsaktion gibt es deshalb eine Brise Suspense kombiniert mit allerlei verhängnisvollen Liebeleien.

movie-shanghaiSo findet Paul beipielsweise heraus, dass Connor eine japanische Geliebte namens Sumiko (Rinko Kikuchi) hatte, die auch prompt als Hauptverdächtige gilt. Paul selbst verliebt sich in die verheiratete Anna Lan-Ting (Chong Li), die als chinesische Untergrundkämpferin versucht, den japanischen Offizier  Tanaka (Ken Watanabe) auszuschalten. Der wiederum ist der Geliebte von Sumiko und sucht selbst nach ihr. Das alles ist die ersten Minuten des Films etwas verwirrend, wird aber im Laufe der Zeit, dank eines naiven Plots, immer übersichtlicher, vorhersehbarer und damit leider auch langweiliger. Die Liebesgeschichte zwischen Paul und Anna schlägt keine Funken und die wahre Lösung des Falles ist bald offensichtlich und unspektakulär. Dadurch geht auch die solide Inszenierung des Regisseurs mehr oder weniger den Bach runter. Hafström zeigt sein Können zwar immer wieder durch geschicktes Spiel mit Film Noire Elementen. Strahlende Empfänge und dunkle Opiumhäuser dienen als Schauplätze und werden dank der guten Ausstattung und dem Spiel mit dem Licht optisch einwandfrei in Szene gesetzt.

Leider zerschellen diese Ansätze jedoch an dem schlechten Drehbuch von Shanghai. Das kann man wohl auch für das ausbaufähige Schauspiel der internationalen Besetzung mitverantwortlich machen. Bei so platten Charakteren kann auch bei einem Profi keine richtige Begeisterung aufkommen. Dabei kann Hafström durchaus auf fähige Leute zurückgreifen. Cusack, Watanabe, Yun-Fat und Chong Li sind auch über ihre Ländergrenzen hinweg bekannte Schauspieler. Franka Potente und David Morse komplettieren das hochgradig internationale Ensemble. Wirklich glänzen kann aber keiner von ihnen. Am meisten spiegelt sich das im Spiel von Cusack. Eigentlich ist er einer jener Schauspieler, die mit ihrem Charisma selbst schlechten Filmen noch ein wenig Glanz einhauchen. Das bewies er unter Extrembedingungen wie 2012 oder Con Air, wo er ein bisschen filmische Klasse einbrachte. Bei Shanghai aber macht er sich diese Mühe offenbar nicht.



redakteur-sven

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Sven Sauerhammer ist der Meinung...
Es ist eben der Fluch großer Filme, oft kopiert zu werden. Leider nicht immer angemessen. Shanghai lässt die filmische Klasse des Vorbildes vermissen. Ein langweiliger Plot und Schauspieler, die unter ihrem Niveau bleiben, machen dem Werk schwer zu schaffen. Die gelungenen Bilder von einem Shangai der 40er Jahre können darüber nicht hinweg trösten. Besonders traurig ist das Spiel von John Cusack. Eigentlich sehe ich mir die meisten Filme, in denen er mitwirkt gerne an. Sein Spiel kombiniert Lässigkeit mit der nötigen Tiefe. Dadurch wirken Cusack-Charaktere glaubhaft, aber nicht langweilig. Seine Darstellung von Paul Soames ist hier eine traurige Ausnahme.

 
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