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Montag, 30. Januar 2012 um 18:34 Uhr

Und wieder wurde eine Kunstfigur geschaffen...

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Review | Kritik | Bewertung
Lana Del Rey - Born To Die (2012)

Born to Die - Lana Del ReyBewertung: 3,5 von 6
Label: Vertigo Berlin
www.myspace.com/lanadelrey

Es scheint kaum möglich, Worte über das Debütalbum von Lana Del Rey a.k.a. Elizabeth Grant zu verlieren, ohne der Person oder Kunstfigur an sich und dem Instant-Hype um sie angemessene Beachtung zu schenken.  Als eine der musikalischen Überraschungen des Jahres 2011 tauchte Lana Del Rey am 19. August mit dem Song Video Games scheinbar aus dem Nichts auf und stieg über Nacht auf zum gefeierten Internet-Star. Eine Sängerin irgendwo zwischen Amy Winehouse und Adele. Nachdem die Illusion, hierbei handle es sich um eine überraschende Independent-Produktion, zerfallen war und die Millionärstochter Lizzy Grant als ausgeklügeltes Planprojekt des Mainstream-Pop enttarnt war, drehte sich schnell alles um die Echt- oder Falschheit ihrer Lippen, das Image als „Gangster Nancy Sinatra“ oder schief gesungene Töne bei Liveauftritten.


Auch wenn die Erfindung einer Kunstfigur im Popgeschäft nicht gerade neu ist (es bleibt zu vermuten, dass sich hinter den Pop-Ikonen Madonna und Lady Gaga ebenfalls Privatpersonen verstecken, die sich stark von ihren Bühnencharakteren unterscheiden), scheint es im Moment so, als würde die vergangene, weniger erfolgreiche und „ehrlichere“ Lizzy Grant ihrer neu inszenierten Weiterentwicklung Lana Del Rey im Weg stehen. Das Album – das Kunstfigur-Kritik hin oder her – für sich sprechen soll behandelt inhaltlich ein großes Motiv: Die Protagonistin leidet unter der wiederkehrenden Wahl der falschen Männer, denen sie verfällt, mit denen sie zwar in der Folge Schmerzen zu erdulden hat, von denen sie sich jedoch wider besserer Vernunft zu ihrem Leidwesen nicht lösen kann.

act-lanadelreyDas mag bei den vorab veröffentlichten Songs Video Games, Blue Jeans und der Albumsingle Born To Die noch mitreissend gewesen sein, auf Albumlänge ausgedehnt ist es aber zu wenig, um den Hörer vor den Boxen zu halten (bzw. eine Heerschar von Käufern in die analogen und digitalen Läden zu treiben). Zum Sound: Vorneweg steht für mich Lanas Stimme als DIE große Stärke des Albums. Was die Künstlerin live möglicherweise aus Gründen der Überforderung mit ihrer Lebenslage nicht umsetzen kann, ist im Studio eine Offenbarung. Die Mischung aus Trotz, Sehnsucht, Traurigkeit und Sinnlichkeit ist absolut bewegend - und das gilt für alle Songs. So schwach und durchschaubar das Songwriting daherkommt, weder das Songarrangement noch die Instrumentierung sind in der Lage den Gesamteindruck aufzuwerten. Das Produzententeam (zu dem auch Guy Chambers, der Verantwortliche für die Produktion von Robbie Williams gehört) erschafft durchschaubare Songstrukturen, die teilweise schon beim zweiten Hören langweilen und setzt andauernd auf die epische Wirkung von künstlich klingenden Streicherensembles untermalt von Drums und Grooves, die nicht zeitgemäß oder überlegt klingen, sondern eher nach Drumlibrary XY - Preset 1.

Und so läuft das Album nach den oben genannten Hits eher uninspiriert dahin und spätestens nach fünf oder sechs Nummern scheint das Pulver endgütlig verschossen und auch Lanas bewegender Gesang alleine kann das nicht auf das Hypeniveau heben, das man sich vorab erwartet hätte. Weitere hörenswerte Songs sind für mich Radio, Million Dollar Man und Diet Mountain Dew, aus dem man besser die Drums entfernt hätte. Auch wenn Born To Die nicht der große Wurf ist, den man sich vorab erwartet hätte, möchte ich sagen, dass das Album der Wegbereiter für großes sein kann, wenn sich die Figur Lana Del Rey charakterlich um einige Facetten bereichert und wenn – das bleibt inständig zu hoffen – sie das Produzententeam wechselt und so auch ihr Songwriting verbessert und das Klangbild erweitert.



redakteur-arno

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Arno Papenheim ist der Meinung...
Die in der Presse neuerdings in Ungnade gefallene Lana Del Rey liefert mit Born To Die ein zwiespältiges Debüt ab. Die vorab veröffentlichten Nummern Video Games, Blue Jeans und Born To Die überzeugen auf ganzer Linie, jedoch schafft es keiner der übrigen Songs auf dem Album mit diesem Trio mitzuhalten. Trotzdem kann Lana Del Rey eine große Zukunft erwarten, sofern sie sich selbst die Möglichkeit zur Weiterentwicklung einräumt. Und da kann ein Erstling, der hinter den Erwartungen zurückbleibt, möglicherweise eher nutzen als schaden.

 
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